505-Segler mit viel Vortrieb

23. November 2003 - Die 505er blicken auf die Saison 2003 zurück – die höchst aktive Klasse kann im Gegensatz zu anderen, etwa olympischen, sehr zufrieden sein. Lesen Sie den detaillierten Bericht der Klassenvereinigung von Pressesprecher Gerrit Haaland : Wenn am kommenden Wochenende auf dem eiskalten Mühlenberger Loch vor Hamburg- Blankenese die Herbstregatta mit dem vielsagenden Namen „Die letzten Helden“ ausgetragen wird, geht für die deutschen Segler der internationalen 505er Rennjolle eine überaus erfolgreiche Saison zu Ende. Erst vor drei Wochen hatte das Spitzenteam Hunger/ Jess auf der Außenalster bei der „Meisterschaft der Meister“ einen souveränen zweiten Platz hingelegt. Da bei dieser Regatta die deutschen und internationalen Meister der verschiedenen Klassen gegeneinander segeln, gilt sie in der Szene als heimlicher Indikator für das seglerische Niveau in den verschiedenen Bootsklassen.

Schnell, sportlich, und erfolgreich: 505er (Foto © Vailet Svahn / WM-Malmö www.mss.m.se/505web/)

Obwohl Hunger/ Jess eigentlich angetreten waren, den begehrten Preis zum

sechsten Mal zu gewinnen und damit einen Rekord zu brechen, waren sie am Ende doch froh

darüber, mit dem zweiten Rang wieder einmal diverse olympische Kadersegler auf die Plätze

verwiesen zu haben. Orthopäde Dr. Hunger (Potsdamer Yachtclub) und Bootshändler Jess (Wassersportclub Wittensee) hätten theoretisch gleich mehrmals an den Start gehen dürfen, denn sie errangen in diesem Jahr nicht nur die deutsche Meisterschaft, sondern auch die Weltmeisterschaft in der wohl bedeutendsten nichtolympischen Jollenklasse. Auf dem Öresund vor Malmö setzten sie sich bei trickreichen Windbedingungen und starkem Strom gegen den fünfmaligen Weltmeister Krister Bergström aus Schweden und die 18-Footer Champions Howard Hamlin und Peter Alarie aus den USA durch. Damit wiederholten die beiden ihren Erfolg von 2001. Vorschoter Jess: „Der zweite WM-Titel ist für uns fast noch wichtiger als der erste. Jetzt konnten wir zeigen, dass der erste Sieg keine Eintagsfliege war.“

Unterstützt wurde der WM-Erfolg von einem insgesamt sensationell starken deutschen

Aufgebot. Auf den Plätzen demonstrierten die Boote Kellner/ Stammerjohann (Fünfte),

Lehmann/Schöler (Siebte), Köchlin/Priegann (Achte) und Görge/ Görge (Elfte), dass an den

deutschen 505-Seglern weltweit kein Weg mehr vorbei führt. Diese Crews haben über ihre

erfreulichen Platzierungen hinaus auch einen direkten Anteil am WM-Erfolg von Hunger/Jess,

denn im Jollensegeln gibt es keine Rundenzeiten und keine Geschwindigkeitsmessung. Die

Bedingungen variieren jeden Tag. Entscheidend für den Optimierungsprozess, bei dem das

letzte Quäntchen Speed aus den Jollen gekitzelt wird, ist der regelmäßige direkte Vergleich

auf dem Wasser – Boot gegen Boot. Bis zur WM im Juli hatten die Cracks nicht nur im

Training, sondern auch auf großen deutschen Regatten an der Vorbereitung gefeilt.

Bei der Kieler Woche Mitte Juni mussten sich die späteren Weltmeister noch dem Team

Lehmann/Schöler geschlagen geben. Zur deutschen Meisterschaft im Rahmen der

Warnemünder Woche hatten Wolfgang Hunger und Holger Jess diese Lektion verarbeitet und

zeigten der Konkurrenz mit vier ersten und einem dritten Platz klar das Heck.

Der Erfolg der deutschen „Fiven“ kommt jedoch nicht nur aus der Spitze, sondern auch aus der

Breite. Die 505er gehören zu den aktivsten deutschen Jollenklassen. In Zeiten allgemein

rückläufiger Regattaaktivität verzeichnen sie bereits seit zehn Jahren jeweils rund 100 Boote

in der Rangliste – dazu müssen mindestens drei relevante Regattaserien bestritten werden.

Für die Attraktivität der Klasse gibt es viele Gründe. Die Boote haben exzellente

Segeleigenschaften. Mit ihnen macht das Segeln einfach Spass. Trotz enormen

Geschwindigkeitspotenzials gilt die „Five“ unter Regattaseglern als relativ gutmütig. Sie bietet

damit die Möglichkeit, auch ohne professionellen Trainingsaufwand eine sehr schnelle,

dynamische Jolle zu segeln. Da das Boot sehr sensibel auf die zahlreichen Trimmverstellungen

anspricht, bekommt der Segler ein deutliches Feedback auf seine

Trimmversuche, das Segeln des Bootes bleibt immer abwechslungs- und lehrreich. Außerdem

können erwachsene, im Berufsleben stehende Segler ihre zwangsläufig geringere

Trainingsintensität durch Erfahrung wettmachen.

 

Flächendeckendes Regatta-Angebot

Durch die Zahl der Aktiven gibt es ein flächendeckendes Regattaangebot. Das hohe Niveau

von Boot und Seglern lockt stets neue Interessenten. Spitzensegler ziehen weitere

Spitzensegler an, aber auch engagierte Freizeitsegler kommen nicht zu kurz. Auf Regatten, bei

Trainings oder über die Website www.int505.de geben die Champions ihre Tricks und Kniffe

an den Nachwuchs weiter. Dank des Torstartverfahrens lassen sich auch mit sehr großen

Feldern gerechte Wettfahrten abhalten. Meldebeschränkungen sind kein Thema.

Wer sich diesen Winter einen gebrauchten 505er kauft und fleißig trainiert, kann sicher sein, im

nächsten Jahr dabei sein zu dürfen: Beim Volvo Young European Sailing, bei der Kieler, der

Travemünder und der Warnemünder Woche, bei der Europameisterschaft in Pula (Kroatien)

und bei der Weltmeisterschaft in Santa Cruz, Kalifornien.

Dort wird ein Neueinsteiger ganz besonders im Rampenlicht stehen: der erst vierzehnjährige amerikanische Ausnahmesegler Samuel „Shark“ Khan, der nach Erfolgen im Opti und im 29er in diesem Jahr sensationell den WM-Titel in dem schnellen Kielboot Melges24 errang. Er will sich die 505er WM vor seiner Haustür auf keinen Fall entgehen lassen und trainiert bereits vor Hawaii. Wie schon in der Melges24 will Vater Philippe Khan seinen Sohn auch in der „Five“ vor sich her jagen. Wie man hört, hat er bereits bei den Weltmeistern Hunger/ Jess nach einem Boot und gemeinsamem Training angefragt.

Nicht alle deutschen Fivensegler werden sich den logistischen Aufwand der WM in Kalifornien

erlauben können, denn als Amateure bezahlen sie ihren Sport aus eigener Tasche. Auch für

diese Segler liegt aber das nächste große Highlight schon in Reichweite: die Weltmeisterschaft

2005 wird vor Warnemünde, auf dem möglichen Olympiarevier von 2012 ausgetragen. Mit

Blick auf dieses Ereignis werden erste regionale Trainingsgruppen in diesem Winter ihre Arbeit

aufnehmen, unter anderem in der Hauptstadt Berlin, wo nach einer Schwächephase mit jetzt

wieder fünfzehn Booten bei den Landesmeisterschaften neuer Schwung in die Klasse zu

kommen scheint.

 

Lesen Sie dazu unter anderem:

WM Malmö - Hunger Jess führen

Regatten D – News

Die informative website der Klassenvereinigung der 505er:

 

www.int505.de