73. Nordseewoche 2007: Von Nebel bis Sturm

01. Juni 2007 - Vier spannende und abwechslungsreiche Tage bei bester Stimmung liegen hinter den Teilnehmern und Organisatoren der 73. Nordseewoche. Ingesamt kamen 131 Crews zur traditionellen Regatta auf die Hochseeinsel Helgoland. 50 Yachten starteten am Pfingstmontag zur Langstrecke nach Schottland. „Static Electric“ gewinnt den Nordsee-Cup.

Welle und Wind bei der Nordseewoche 2007 (Foto © Nordseewoche)

In diesem Jahr hatte die Nordseewoche wirklich alles zu
bieten: Von leichter Brise bei Sonnenschein über Sturm und heftigen Regen
bis hin zu Nebel. „Langweilig wird es zu Pfingsten auf Helgoland nie, das
Wetter hält immer Überraschungen parat und die Nordseewoche stellte auch in
diesem Jahr hohe Ansprüche an Crews und Material“, sagt Bernd Jörg,
Organisationsleiter der Nordseewoche. „Die Stimmung auf der Insel war super
und wir freuen uns besonders über das große Teilnehmerfeld zur 20.
Edinburgh-Regatta“, so Jörg.
Die Wettfahrt „hanseboot Acht“ wurde am Pfingstmontagmorgen noch einmal zur
Geduldsprobe. Wettfahrtleiter Stefan Lehnert hatte den Kurs verkürzt, aber
wenig Wind und Gegenstrom machten die Wettfahrt zum Pokerspiel. Dabei ging
es für Heiko Päsler und sein Team auf der X-36 „Static Electric“ noch einmal
um alles oder nichts. Der Sieg des neu ausgeschriebenen Nordsee-Cups stand
auf dem Spiel. Der Cuxhavener konnte sich dabei mit einem starken Endspurt
gegen die Crew um den Bremer Christian Plump auf der Evento 46 „Beluga
Sailing Team“ durchsetzen.


Für Aufmerksamkeit sorgten auch die kleinsten Boote der Serie. Erstmals
starteten die nur 6,50 Meter langen Classe Mini Yachten in einer eigenen
Klasse zur Nordseewoche. „Es war super neun Mitstreiter aus unserer Szene
versammelt zu sehen“, sagt Henrik Masekowitz, der sich im Anschluss mit
seiner „Beijamar“ auf den Weg nach Frankreich macht. Der Hamburger wird im
September die Einhandregatta Mini-Transat von Frankreich nach Brasilien
mitsegeln.


Die nur 6,50 Meter langen Classe Mini Yachten, bekannt von der französischen Mini-Transat, sind jetzt endlich auch in Deutschland mal gestartet. (Foto © Nordseewoche)

Nachdem am Pfingstsonntag eine kräftige Brise für spektakuläre Bilder auf
der Bahn sorgte, waren am Morgen dann im Hafen emsige Vorbereitungen zu
beobachten. Proviant wurde gestaut, Sicherheitschecks durchgeführt und die
Navigation für die gut 400 Seemeilen lange Regatta ins schottische Edinburgh
vorbereitet.


Für Florian Haufe aus Hamburg wird es die erste Edinburgh-Wettfahrt und
gleichzeitig die bisher längste Regatta seines Lebens. Der 13jährige Schüler
segelt auf der Lütje 48 „Mamelie“ von Jakob-Hinrich Leverkus über die
Nordsee nach Schottland. „Ich freue mich auf schnelles Segeln in der Nacht.
Sonnenaufgänge und -Untergänge finde ich auf See besonders toll“, so der
Nachwuchssegler, der nach der Nordseetour gleich zum nächsten Segelhighlight
weitertourt. „In 14 Tagen starte ich dann in Mexiko zur Nordamerikanischen
Meisterschaft der Optis“, erzählt der blonde Hamburger Jung. Auch an Bord
der „Mamelie“ wird Florian häufiger das Ruder in der Hand halten.


Der angekündigte Rekordversuch der „UCA“ von Klaus Murrmann muss leider
ausbleiben, da die 26 Meter Yacht im Hafen von Helgoland beschädigt wurde.
„Die im Päckchen bei uns liegenden Schiffe sind auf uns getrieben, die
Fender sind weggerutscht und die UCA wurde beschädigt. Wir haben
Delaminierungen im vorderen Rumpfbereich festgestellt“, berichtete Murmann
enttäuscht. „Jetzt muss der Schaden erst repariert werden, es ist zu riskant
mit dem Schiff zu starten“.
Murmann und sein 17-köpfiges Team hatten sich vorgenommen die etwa 400
Seemeilen in Rekordzeit zu segeln. Die bisher schnellste Zeit stellte
Norbert Plambeck mit seiner „Hexe“, einer Baltic 51 im Jahr 2003 auf:
Plambeck kam nach 47 Stunden und 14 Minuten ins Ziel vor Schottland.


Titelverteidiger der Edinburgh-Regatta ist Harm Müller-Röhlck mit der
„Okke“. Sein Sohn, nach dem das Schiff benannt ist, erzählt: „Vor zwei
Jahren sind wir noch mit unserer Drabant 33 gestartet, jetzt haben meine
Eltern ein neues Schiff gekauft. Wir sind eine eingespielte Crew und bei
viel Wind könnte es auch mit der neuen Dehler 35 gut für uns aussehen“, so
Okke Müller Röhlck (38).


Zur besonderen Herausforderung wird die Abschlusswettfahrt der 73.
Nordseewoche für Markus Harbort und seine Crew an Bord der „Chiro First“.
Der Bremer hat die 55-Fuß-Yacht in fast 12.000 Arbeitsstunden selbst gebaut.
„Ich habe sechs Jahre für die Fertigstellung gebraucht. Deswegen bin ich
froh, nun endlich die erste Regatta segeln zu können“, erzählt der 52jährige
Chiropraktiker, der die Yacht im Hühnerstall eines befreundeten Landwirtes
gebaut hat.


Am Nachmittag starteten um 14.00 Uhr die Rückregatten nach Cuxhaven und
Bremerhaven, bevor die große Flotte der Langstreckensegler um 16.30 Uhr an
die Startlinie zur Jubiläumsregatta ging. Die Segler werden zwischen zwei
und fünf Tage unterwegs sein, bis sie die Hauptstadt von Schottland
erreichen.

Die aktuelle Meldeliste, Ergebnisse sowie Informationen zu den einzelnen
Wettfahrten, Termine und Programm unter:

www.nordseewoche.org