Kraftprobe der Meister

25. Oktober 2012 - Einmal im Jahr segeln die besten Segler und Seglerinnen internationaler und olympischer Klassen um die Krone des deutschen Segelsports. Die Regeln sind streng: Zugelassen zum spektakulären Saisonfinale auf der Hamburger Außenalster ist nur, wer im Veranstaltungsjahr einen offiziellen Titel gewonnen hat. Oder von Europas größtem Segelmagazin für eine außergewöhnliche Leistung mit einer seltenen Wild Card belohnt wird. So wie in diesem Jahr die DSV-Olympiamannschaft mit den Mitgliedern des Sailing Team Germany.

Zum 33. Mal findet dieses besondere Ereignis nun statt - am 27. und 28. Oktober, zum Auftakt der Hanseboot. Die Favoriten: Deutschlands erfolgreichster Segler, Jochen Schümann, kreuzt als Titelverteidiger auf und hatte schon nach seinem Sieg im vergangenen Jahr versprochen: "Wenn ihr das Wetter wieder so hinkriegt, dann kommen wir auch 2012 nach Hamburg und können unseren Erfolg hoffentlich wiederholen."

 

Die Konkurrenz

Doch Schümann hat zwei große Konkurrenten, die diese Regatta auch schon gewinnen konnten: Einer ist der Starnberger Segelprofi Markus Wieser, der sich mit Taktikerin Ulrike Schümann eine weitere ehemalige Gewinnerin an Bord geholt hat. Die Berlinerin hatte 2008 als bislang einzige Frau den Segelgipfel gestürmt. Wieser, der in diesem Jahr als Drachen-Europameister anreist, triumphierte 2010 im Norden.

 

Der andere ist Tobias Schadewaldt, der 2009 als Doppel-Meister in den Klassen Laser und 49er nach Hamburg kam und mit seinem Sieg bei der Meisterschaft der Meister einen außergewöhnlichen Titel-Hattrick binnen Jahresfrist perfekt machte. Nun ist er als Olympiateilnehmer mit einer Wild Card wieder dabei und lässt sich von der Segelprominenz nicht beeindrucken: "Ich habe das Ziel, um den Titel mitzufahren und die tolle Atmosphäre bei diesem Klassiker mitzunehmen."

 

Schümann, Wieser und Schadewaldt sind aber nur drei von 30 teilnehmenden Mannschaften, unter denen sich auf der launischen Alster so manch eine als Favoritenschreck erweisen könnte. Denn jede kommt mit einem Meistertitel.

 

Keinesfalls unter "ferner liefen..."

Meike Schomäker aus Kiel hat schon als 505er-Europameisterin bewiesen, dass sie der männlichen Konkurrenz vor allem bei leichten Winden lässig ihr Heck zeigen kann. Mit Spannung werden der Olympia-Sechste Simon Grotelüschen und Laser-Europameister Philipp Buhl mit ihrem dritten Mann Malte Kamrath erwartet. Die Solosegler steigen ausnahmsweise gemeinsam in ein Boot, haben aber ein Luxus-Problem zu lösen: Wer soll steuern? Die Frage war eine Woche vor dem Start noch nicht geklärt. Simon Grotelüschen sagte nur: "Ich habe da so eine Idee..."

 

Die Geschichte der Regatta begann 1980. Andreas Etten und Thorsten Dmoch aus Wedel gelang vor 29 Jahren ein Außenseitersieg – einer der wenigen in mehr als drei Jahrzehnten "MdM". Damals wurde noch auf Piraten auf dem Steinhuder Meer gesegelt. Dem erst 16-jährigen Etten, der als Deutscher Europe Meister anreiste, war sein Vorschoter Thorsten Dmoch noch zugelost worden. Die hoch gehandelten Brüder Helge und Christian Sach aus Zarnekau sowie der spätere Starboot-Silbermedaillengewinner Achim Griese und Jürgen Homeyer hatten auf den Plätzen zwei und drei das Nachsehen.

 

Lang ist die Liste der Meisterkenterer, die 1980 von den Folkebootseglern Horst Schütze und Klaus Plenge eröffnet wurde. Sie gingen beim Spinnaker-Setzen über Bord und belegten auch deshalb nur den letzten Platz bei der Premiere. Als Kenterkönig empfiehlt sich Roland Gäbler, der bei 16 Teilnahmen dreimal spektakulär in der Alster Baden ging.

 

Im Herzen Hamburgs wird die Meisterschaft der Meister seit Mitte der 80er-Jahre ausgetragen. Mit seinem Vorschoter Hans-Jürgen Pfohe kippte Gäbler so heftig ins trübe Alsterwasser, dass die aufgenommenen Schlickmassen ihn nach dem mühsamen Aufrichten direkt wieder unter Wasser drückten.

 

Der dreimalige Tornado-Weltmeister sagt: "Wir mussten damals erst einmal eine Schaufel holen, um den Schlick rauszulöffeln. Leider bin ich bei diesem Segel-Highlight nie über Platz drei hinausgekommen."

 

Die Meisterschaft der Meister ist laut Markus Wieser "eine Institution des deutschen Segelsports": "Man trifft Segler, über die man sonst nur liest. Das bringt die Segelszene zusammen und befruchtet sie."

 

Tripple Race

Die zweitägige Serie ist auch Spiegel ihrer Zeit, greift Segelsport-Trends auf und flechtet sie in ihr traditionelles Format ein. Das Finale wird nicht mehr in Matchrace-Duellen, sondern im taktisch anspruchsvollen Triple Race ausgetragen. Die Dreier-Crews segeln in diesem Jahr auf neuen Sportbooten vom Typ B/One. Was wiederum Schümann und Wieser entgegenkommt: Beide haben ihre größten Erfolge auf Dreimannbooten errungen.

 

Schümann gewann in der Soling drei Olympiamedaillen, Wieser zählt weltweit zu den drei besten Drachen-Steuermännern. Entsprechend versiert sind ihre Crews. Schümann kommt mit seinen Silber-Vorschotern von Sydney 2000, Gunnar Bahr und Ingo Borkowski. Wieser hat neben der Olympia-Vierten und Neu-Drachenseglerin Ulrike Schümann seinen besten Drachen-Trimmer Matthias Paschen aus Hamburg angeheuert. Der Berliner und der "Bayern-Express" könnten die Show des gastgebenden Hamburger Segel-Clubs zum Segel-Krimi machen.

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