Deutschland segelt hinterher

07. April 2014 - Die Deutsche Segel-Nationalmannschaft kehrt vom Weltcup-Auftakt vor Palma de Mallorca ohne Medaillen zurück. Als bester DSV-Starter verpasste Toni Wilhelm vom Württembergischen Yacht-Club mit Rang acht im Medaillenfinale den Sprung aufs Podium am Samstag als Gesamt-Vierter nur knapp. Mit Wilhelms Surf-Teamkameradin Moana Delle, den beiden 49er-FX-Crew Victoria Jurczok/Anika Lorenz und Tina Lutz/Susann Beucke sowie den 49er-Titelverteidigern Erik Heil/Thomas Plößel hatten sich vier weitere deutsche Teams für die Finalrennen qualifiziert.

Vor Mallorca gab es diesmal keine Medaillen für die deutschen Seglerinnen und Segler. (Foto: Jesus Renedo/Sofia)

Vor allem bei Rückkehrer Toni Wilhelm war die Freude groß: „Natürlich ärgert man sich am Ende ein wenig, wenn man die Medaille so knapp verpasst. Für mich war es aber trotzdem ein großartiger Einstieg in meine vierte Olympiakampagne“, sagte der Schwarzwälder Olympia-Vierte, der nach fast eineinhalbjähriger Wettkampfpause erst vor knapp zwei Monaten sein Training wieder aufgenommen hatte. Der 31-Jährige blickt beflügelt auf die kommenden Jahre: „Diese Woche war enorm. Hätte mir vor dem Weltcup jemand gesagt, dass ich nach so kurzer Vorbereitung wieder so erfolgreich an das anknüpfen kann, was wir uns für die Olympischen Spiele 2012 erarbeitet hatten, dann hätte ich es nicht geglaubt.“

 

In der Gesamtleistung segelte das Audi Sailing Team Germany den Erwartungen zweieinhalb Jahre vor den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro jedoch noch ein wenig hinterher. Mit ihrem Teamergebnis verpasste die DSV-Flotte den Sprung unter die besten 15 Nationen im Mittelmeer knapp. „Es gab in einigen Klassen tolle Lichtblicke und herausragende Einzelleistungen“, sagte Torsten Haverland, DSV-Vizepräsident für Leistungssport, „doch in einigen Bereichen fällt unsere Bilanz ein wenig ernüchternd aus. Ich hatte gehofft, dass wir schon etwas weiter sind. Da müssen wir möglichst schnell drei Schippen draufpacken.“

 

Harte Arbeit bis zur WM

 

Auch DSV-Sportdirektorin Nadine Stegenwalner sagte: „Bis zur Weltmeisterschaft im September in Santander haben wir noch viel zu tun und werden sehr hart arbeiten müssen, denn das haben die anderen Nationen ganz offensichtlich auch getan. Es gab vor Palma glanzvolle Momente wie das sehr gelungene Comeback von Toni Wilhelm und die starken Leistungen von Philipp Buhl bis zu seinem verpatzten Vorschlusstag. Dazu Moana Delles gute Vorstellung auf dem RS:X-Brett und natürlich auch die geschlossenen Top-Ten-Platzierungen der 49er-FX-Teams Jurczok/Lorenz und Lutz/Beucke.“

 

Den schwersten Rückschlag musste bei der Trofeo Princesa Sofía Deutschlands Segler des Jahres hinnehmen: Philipp Buhl hatte vier Tage lange Weltklasse-Ergebnisse ersegelt und sich in den Top-Drei etabliert, als er am vorletzten Tag der Regatta in spanischen Gewässern mit einem Frühstart und den Rängen 41 und 26 auf Platz 13 abstürzte und den schon sicher geglaubten Einzug ins Finale der besten zehn Lasersegler verpasste. „Ich habe mich schon sehr geärgert“, sagte der Sonthofener und wies mit Galgenhumor auf die in Spanien erhaltene Bugnummer 13 hin. Tatsächlich hatte sich der WM-Bronzemedaillengewinner von seinem Frühstart, der chaotischen Welle in der Bucht von Palma de Mallorca und den extrem drehenden Winden für einen Tag aus dem Konzept bringen lassen und dafür teuer bezahlt.

 

Der Sailing World Cup endet in drei Wochen vom 21. bis zum 26. April bei der Semaine Olympique vor Hyères in Frankreich. Der Saisonhöhepunkt der olympischen Segler ist die ISAF Weltmeisterschaft für alle olympischen Disziplinen vom 8. bis 21. September in der spanischen Hafenstadt Santander. Dort werden in insgesamt zehn olympischen Disziplinen rund 1400 Seglerinnen und Segler und 1000 Boote aus 80 Nationen erwartet. Auch das Audi Sailing Team Germany startet mit Medaillenhoffnungen in die zweiwöchige Regatta.

 

Das Gesamtergebnis gibt es hier.