Abenteuer erleben: Mit einer Linssen 299 auf Mosel und Saar

28. September 2009 - Mit dem Boot zur See - das letzte Abenteuer ... Denkt doch so mancher. Aber kommen Sie mal an die Mosel mit dem Boot - da ist jeder Tag ein Abenteuer ! Gewöhnt an die friesische Meere in Friesland, Niederlande, ans Ijsselmeer oder an die Müritz , folgten wir dem Trend „Urlaub in Deutschland“ und gingen zu zweit auf Törn auf Saar und Mosel. Mit einer Linssen 29.9, ein Boot, das wir auf dem gesamten Törn genossen haben. Sie ist 9.35 Meter lang und 3,40 Meter breit. Plus Fender. Die hat der Vercharterer da hingehängt, und das ist auch gut so, auch wenn’s ganze acht sind an jeder Seite. Wegen der Schleusen. Und dann - haben wir immer wieder Abenteuer erlebt.

Die Linssen 299 in Saarburg bei Sonnenuntergang. (Foto © Jo Achim Geschke / www.wassersport-fotos.de)

Wir starten in Merzig an der Saar. Da fahren sie als Skipper oder Skipperin auf eine Biegung des Flusses zu, und sie sehen: Nix. Wälder oder Hügel ringsum, kein Einblick in den Flusslauf. Dabei kann jeden Moment ein dickes, 110 Meter langes Frachtschiff um die Ecke kommen. Nicht alle melden sich per Funk auf Kanal 10, um die Mitfahrer auf dem Strom zu warnen. Und wenn so ein Pott auftaucht, heißt es: Platz machen! Nur: Auf welcher Seite fährt er denn nun ...???


Einfahrt in die Saarschleife (Foto © Jo Achim Geschke / www.wassersport-fotos.de)

Das hat sich schnell geklärt, sie fahren tatsächlich fast alle auf der günstigen Seite und da, wo’s tief ist. Zu Beginn des Törns folgen wir dem Rat unserer Vercharterer: Als ein 100 Meter langer Kohlefrachter von achtern aufkommt, drehen wir, lassen ihn vorbei, folgen ihm. Aber am Anfang eines solchen Törns steigt die Spannung an jeder Fluss-Kurve. Da geht der Blick dann nicht mehr auf die wunderschöne Landschaft mit ihren hunderten Schattierungen von Grün. Erst recht nicht an der Saarschleife, zwischen Kilometer 34 und 35


Frachter mit Autokran in der Schleuse (Foto © Jo Achim Geschke / www.wassersport-fotos.de) (KLICK = Großes Foto )

A propos dicke Pötte: In einer Schleuse fährt vor uns ein Frachter ein - wir sind zu breit für die Sportbootschleusen, über 3,40 Meter, erst recht mit den Fendern. Der Frachter hat seinen eigenen Kran am Heck Ausgefahren. Wir rätseln, warum. Als er still zu liegen schient, wollen wir an der linken Schleusenseite festmachen. In dem Moment gibt der niederländische Kumpel vor uns noch mal ein kräftigen Schub. Wir werden vom Schraubenwirbel von der Wand weggedrückt, müssen auf die andere Seite. Und dann wissen wir, warum der Kran ausgefahren ist: In der Schleuse hebt der Niederländer sein Auto vom Heck auf das Ufer in der Schleuse ! Es hatte eben noch nicht gepasst, da musste er sein Heck ein wenig gerade rücken und uns beiseite schieben ... Wir wundern uns, dass der Schleusenwärter das erlaubt hat. Dank der Tipps unseres Vercharterers Schönberger kommen wir aber auch zu zweit mit diesem malheur klar.


Wir fahren zunächst die Saar herunter, Richtung Mosel, unser erster Stopp ist Saarburg. Ein hübscher Hafen, der Wassersportclub WSC Saarburg ist sehr gastfreundlich. Von den Stegen für Gastlieger aus geht man wenige Meter zum Clubhaus mit Restaurant und Duschen. Der Wirt macht uns für den nächsten Morgen ein üppiges Frühstück !
Das Zentrum der Stadt auf einem Hügel, die Attraktion ist neben den hübschen Häusern und den vielen Lokalen mit guter Küche der Wasserfall mitten im Ort.


Ufer bei Saarburg unter Wolken (Foto © Jo Achim Geschke / www.wassersport-fotos.de)

Am Morgen im Hafen genießen wir den Blick auf tiefliegende Wolken  die an der Saar über die Hügel streifen. Und machen uns auf, um in rund 10 Kilometern die Saarmündung in die Mosel beim schönen Städtchen Konz zu erreichen. Konz hat einen sehr hübschen, gepflegten Hafen des Wassersportclubs, der uns gut gefallen hat. Die Stadt bietet einige gute Restaurants, wir haben in den Römerstuben  sehr gut gegessen.


Der Hafen in Konz (Foto © Jo Achim Geschke / www.wassersport-fotos.de)

Zunächst aber wollen wir mit unserer Linssen 299 gemütlich weiter die Mosel hinab bis Schweich fahren. In Schweich werden Linssen jeder Größe verkauft, hier liegen Linssen 470 AC, 410 AC oder auch eine große 500 nebeneinander.  Wir fahren an Trier vorbei, das wir später von Land aus besuchen. Ein Abstecher nach Trier für einen ganzen Tag ist ein muss.


Mehrere Linssens spiegeln sich in Schweich. (Foto © Jo Achim Geschke / www.wassersport-fotos.de)


Das etwas weiter stromab gelegene Schweich allerdings hat uns enttäuscht: Der Hafen ist völlig verkrautet, die Anleger für Gäste nicht gerade neu und wirken mit dem maroden Holz an der Seite etwas ungepflegt. Auf die Frage, wo wie wir denn Wasser nachtanken können, zuckt der Hafenmeister die Schultern. Aber selbst mit unserer Verlängerung reichten die Schläuche nicht aus, um von nur einer Zapfstelle für Gäste bis zur Linssen Wasser fließen zu lassen. Außerdem sind am Nachmittag die Duschen nicht gerade sauber. Zudem ist hier einiges im Umbau ... Das Restaurant allerdings am alten Fährhaus direkt am Fluss können wir durchaus empfehlen.


Schweich, Tankstelle und Restaurant (Foto © Jo Achim Geschke / www.wassersport-fotos.de)

Abenteuer : Keine Bugschraube mehr

In Schweich haben wir uns wohl etwas in der Bugschraube eingefangen - Kraut ? Dicke Algenfäden ? Die Skipperin geht im nächsten Hafen ins Wasser, der Tunnel für die Bugschraube liegt knapp unter der Wasserlinie. Festgehalten an einem dicken Tau, das von Bord heruntergelassen wird, kann sie mit der andren Hand den Fremdkörper entfernen: Eine Windel - unbenutzt!


Weinort Neumagen-Dhron Hafen (Foto © Jo Achim Geschke / www.wassersport-fotos.de)

Der nächste Stopp bei Mosel-Kilometer 153 ist der beste Hafen unserer Reise: Neumagen-Dhron mit Hafenmeisterin Ute Mattern ( www.marina-mittelmosel.de ). Im originellen Trakt der Hafenmeisterei saubere Duschen, Waschmaschinen, und Hafenmeisterin Ute Mattern ist wohl in Punkto Service und Freundlichkeit nicht zu schlagen. Der Hafen sauber, alles funktioniert, und wir sitzen auf der „Back“ der Linssen 299 und genießen den Blick auf Mosel, Weinberge, und viel Grün.
Gleich nebenan“, weniger Schritte nur, ein Restaurant „Käptn Cook“, mit einer sehr guten Küche, wir haben mehrmals dort gegessen.


Bernkastel Hafen im Abendlicht (Foto © Jo Achim Geschke / www.wassersport-fotos.de)

Wir fahren 22 Kilometer weiter Richtung Berncastel-Kues - dem Geburtsort des Religions-Philosophen Nicolaus Cusanus, dessen Geburtshaus wir besichtigen. Der Hafen des Bootsclubs Bernkastel 2000 ist ein lang gestreckter ehemaliger Schutzhafen, sehr ruhig, aber  ein Stück von der Stadt entfernt. Dafür entschädigt er mit ruhigem, schönen Blick auf Weinberge, und die Burg Landshut. Und die ist sowohl in verzaubertem Abendlicht als auch im nebligen Morgen sehr schön anzuschauen.


Bernkastel Hafen im Nebel (Foto © Jo Achim Geschke / www.wassersport-fotos.de)

Wir besichtigen die vielen alten Fachwerkhäuser und den berühmten Markt in Bernkastel, die wirklich sehenswert sind.

Aber wir wollen noch ein Stück weiter: Traben-Trabach erreichen wir wie immer auf diesem Törn mit der erneuten Entdeckung der Langsamkeit. 1800 Touren, die Linssen 299 fährt stur geradeaus. Allerdings brettern auf diesem Moselabschnitt die Fahrgastschiffe hin und her. Eines von ihnen hat einen starken Motor und sehr viel Verdrängung: Die Heck-Welle ist enorm für die Mosel, die Linssen stampft gehörig und nimmt am Bug sogar Wasser über. Dieses Fahrgastschiff  macht immer Probleme, erzählt uns ein Einheimischer.


Traben Trabach mit Stegen von Boote Polch. (Foto © Jo Achim Geschke / www.wassersport-fotos.de)

In Traben-Trabach sehr sehenswert: Die Jugendstilhäuser des Architekten Möhring. Im ruhigen Sportboothafen liegen wir am Steg der Firma Boote Polch. Alles prima, sehr sauber, wenn auch nur kleine Duschen. Sehr empfehlenswert (auch für andere Mosel-Häfen) : Es gibt kostenlose Leih-Fahrräder, mit denen wir sehr bequem und locker in das Doppel-Städtchen zum Einkaufen fahren können.

Zurück geht es über die gleichen Stationen, bis in den Hafen von Merzig. Das Wetter war sehr gemischt, mit einigen gewittern, aber im ganzen wars gut. Wir hatten allerdings gegen Ende mehrere Gewitter in einer Nacht.  Auch das ein Abenteuer ....


Wie wir die Schleusen mit ihren 9 bis 14 (!) Metern Höhenunterschied gemeistert haben, das erzählen wir in einer anderen Folge ... (siehe Tipps zum Schleusen)

Fakten zum Törn:

Wir charterten eine Linssen 299 . (9,35m x 3,35m, 9 Tonnen, 55 PS Volo Penta Diesel) in Merzig, Saar,  bei Yachtcharter Holiday Tours  - www.saarmoselyachtcharter.de/


Linssen und Skipper in Neumagen-Dhron (Foto © Jo Achim Geschke / www.wassersport-fotos.de)

Peter Schönberger hat uns sehr gut und gewissenhaft die Technik des Bootes erklärt und sich Zeit für eine sehr gute Einführungsfahrt genommen. Das gut 9 Tonnen schwere Boot ist innen und außen sehr gepflegt, die Technik bestens.
Wir bekamen zudem nützliche Unterlagen / Karten über Mosel und Saar.

Wir benutzen zur Vorbereitung und während der Fahrt zwei Bücher:

Den „Guide für die Sportschifffahrt“ von Wolfgang Banzhaf - „Die Mosel - Die Saar mit Saar-Kanal - Der Rhein Marne Kanal - der Rhein Rhone Kanal“ - und die „Sauerkraut Tour“ - Verlag Rheinschifffahrt

sowie: Törnführer Mosel von Doris und Andreas Saal - Heel-Verlag.

Wir haben das Boot sehr ruhig gefahren, im mittleren Drehzahlbereich, und maximal um die drei Liter Diesel / Stunde verbraucht. Zum Tanken empfehlen wir auf einem Mosel-Törn Neumagen-Dhron.

Für das Revier unbedingt nötig: Lesen sie sich genau durch, wie Berufsschiffe auf Mosel und Saar fahren - die nehmen auch schon mal die Innenseite der Kurven und kommen ihnen dann womöglich entgegen, wenn sie nicht wissen, wies geht ! Berufsschiffe und Fahrgastschiffe haben Vorfahrt !

 Und lassen sie sich genau erklären, wie man auch zu zweit einfach und problemlos Schleusen kann. Wir sind die 11 und 14 Meter - Schleusen problemlos durchlaufen. Allerdings müssen sie bei der Planung Wartezeiten einrechnen, wenn sie mit der Berufschifffahrt schleusen müssen.  Das kann auch mal eine Stunde dauern !

Einkaufen und Verpflegung ist in allen Orten einfach.

(Text und Fotos (C) Jo Achim Geschke - mehr Fotos unter www.wassersport-fotos.de / www.motoryachten-und-meer.de  )