Act 6 Malmö: UIT Germany verändert Führungsriege

29. August 2005 - Vor Malmö unterlag UIT Germany am Sonntag dem Cup-Verteiger Alinghi SUI, die als einzige bisher ungeschlagen blieben. Das „United Internet Team Germany“ verändert seine Führungsriege. Dies kündigte der Initiator der deutschen Kampagne und Vorstandsvorsitzende der Deutschen Challenge 2007 AG Uwe Sasse am Sonntag an. Gemeinsam mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Ralph Dommermuth, der heute nach Malmö kommt, will er bei Gesprächen am Rande der Wettkämpfe im Öresund in der kommenden Woche über künftige Positionen beraten. Andreas John wird das Team verlassern, Sasse wird Ende des Jahres andere Tätigkreiten übernehmen.

Der Deutsche Cupper vor Malmö (Foto © Richard Walch / United Internet Team Germany)

In einer Zwischenbilanz wurden vor allem die Rollen von Skipper Jesper Bank und Technik­vorstand Eberhard Magg bestätigt: „Die beiden haben in erstaunlich schneller Zeit ein sehr leistungsfähiges Team an Bord und an Land mit solidem technischen Material aufgebaut,“ lobt Dommermuth die Manager, „so dass das deutsche Syndikat heute sportlich ernst genom­men wird.“ Allerdings trennte sich die Hauptversammlung der DC 2007 AG von Sport­vor­stand Andreas John. Uwe Sasse stellte fest: „John hat uns in der Aufbauphase des Teams als Sportvorstand erfolgreich unterstützt und verlässt nun die Kampagne.“ Jetzt suche man nach einem erfahrenen Sportdirektor, der in Sachen Team-Management den gestiegenen Anfor­derungen gerecht werde.

 

In diesem Zusammenhang stellte Sasse auch sein Amt zur Disposition: „Von meiner Seite war ursprünglich nicht vorgesehen Vorstand der Kampagne zu werden“, erklärte Sasse, „auch in der Vorbereitungs­phase war ich nicht als Vorstand der Deutschen Challenge 2007 AG tätig.“ Erst vier Tage vor der Anmeldung zum 32. America’s Cup sei er gemeinsam mit Haupt­sponsor und Aufsichtsrat übereingekommen, diese Funktion zusätzlich zu seinen weiteren Aufgaben und Interessen zu übernehmen. Dazu gehören neben seiner Rolle als Gesellschafter der DC 2007 AG die Vermarktung der Kampagne, die Geschäftsführung der betreuenden  Kommunikations-Agentur sowie die Leitung des Textilausstatters Prince Henry. Ralph Dommermuth, Chef des Hauptsponsors United Internet, hielt es für sinnvoll mit  Uwe Sasse die Kampagne zu starten: „Er hat die Kampagne initiiert“, so Dommermuth, „wir waren uns aber damals bereits einig, dass die Aufgabenfülle dauerhaft zu groß ist und wir in der näch­sten Phase die Verantwortung auf

mehrere Schultern verteilen wollen.“

 

Die Rennen

 

Das „United Internet Team Germany“ hat seine beiden heutigen Matchraces im Rahmen des Louis Vuitton Act 6 um den 32. America’s Cup gegen Cup-Verteidiger „Alinghi“ und den schwedischen Gastgeber „Victory Challenge“ verloren. Auf dem Öresund vor Malmö konnte das Team um Skipper Jesper Bank zwar phasenweise mit den favorisierten Kampagnen mithalten, querte aber beide Male die Ziellinie hinter seinen Kontrahenten. Schon nach der Vorstartphase gegen den bis dato in siebzehn Matchraces ungeschlagenen Favorit aus der Schweiz  standen die Vorzeichen für den ersten deutschen Herausforderer in der Geschichte des America’s Cup schlecht. Im Duell der beiden Olympiafinalisten von 2000, war „Alinghi“-Steuermann Jochen Schümann von Beginn an in der kontrollierenden Position, so dass Jesper

Bank mit seiner Crew mit Rückstand auf die erste Kreuzstrecke gehen musste. Schnell zog die „SUI-75“ um knapp fünf Bootslängen davon. Im weiteren Rennverlauf war der dänische Skipper in der Lage, den Abstand gleich zu halten, bis kurz vor der ersten Wendemarke ein Winddreher dem Cup-Verteidiger weitere Meter brachte, so dass der Underdog mit 51 Sekunden Rückstand auf die Vorwind-Strecke ging.

 

Doch so schnell wollte sich „United Internet Team Germany“ nicht geschlagen geben. Die Crew fightete unter Spinnaker und verlor gegen das technisch bessere Boot bis zum Leetor nur eine weitere Sekunde. In der zweiten Hälfte machte sich dann aber – wie später auch gegen den schwedischen Cupper – der Materialnachteil aufgrund des notwendigen Mastwechsels vor zwei Tagen bemerkbar. Allerdings erhöhte sich der Rückstand der „GER-72“ aufgrund der aufopferungsvoll kämpfenden Besatzung nur in kleinen Schritten. Bei der zweiten Luvmarke lag er bei einer Minute und 17 Sekunden. Am Ende kam der AC-Herausforderer eine Minute und 45 Sekunden später ins

Ziel. Mit Blick auf die unterschiedlichen Vorrausetzungen der beiden Cupper und der guten ersten Vorwindstrecke sollte der respektable Rückstand auf das Top-Syndikat Mut machen. Im zweiten Duell des Tages gegen das schwedische Syndikat „Victory Challenge“ wurde in der Vorstartphase nach dem Eintauchen in die Startbox schnell deutlich, dass sich beide Skipper, Jesper Bank für „United Internet Team Germany“ und Magnus Holmberg von der „SWE-73“ schon aus vielen Matches kennen. Beide Rennyachten neutralisierten sich weitestgehend vor dem Start, den die Gastgeber mit minimalen Vorsprung für sich entscheiden konnten. Auf der Startkreuz sah es zunächst so aus, als könne die „Alte Dame“ mit dem schwedischen Cupper mithalten, denn die erste Luvmarke wurde nur 33 Sekunden später gerundet. Doch danach wurde der Geschwindigkeitsnachteil des deutschen Bootes wieder deutlicher. Am Leetor lagen Bank und Co. eine Minute und neun Sekunden zurück, an der zweiten Luvmarke kamen weiter 29 Sekunden dazu. Ein positives Zeichen setzte die deutsche Crew allerdings unter Spinnaker,

als man auf die „Victory Challenge“ Zeit gut machen konnte. Am Ende überquerte der AC-Herausforderer unter der Schwarz-Rot-Goldenen Flagge die Ziellinie eine Minute und 20 Sekunden später als der Gastgeber.

BMW Oracle Raving USA vor Malmö (Foto © Gilles Martin-Raget)

Alinghi SUI

Nach dem vierten Tag von Act 6 in Malmö liegt Alinghi alleine an der Spitze der Tabelle – seit Valencia hat das Team in 19 Rennen 19 Siege geholt. Die beiden heutigen Matches gewann der Cup-Verteidiger klar: Mit 1:45 Minuten Vorsprung gegen United Internet Team Germany und danach mit 3:11 Minuten Vorsprung gegen China Team.Wir sprachen mit Alinghi Trimmer Simon Daubney (Neuseeland) und wollten wissen: Wie kann sich das Team bei einem so grossen Vorsprung auf das Rennen konzentrieren?

„Man muss sich auch an einem Tag wie heute aufs Segeln konzentrieren. Der Wind geht die ganze Zeit rauf und runter, die Segel müssen ständig getrimmt werden und das Boot müssen wir auch auf Kurs halten. Sicher, wir hatten schon nach dem Start eine anständige Führung, also war es heute nicht zu stressig.“

Was tut ihr, wenn ihr so weit in Führung seid?

„Ab und zu muss man schon aufpassen, dass man die Konzentration oder die Motivation nicht verliert. Aber das darf nicht passieren, denn es hat da draussen einige Böen auf die man aufpassen muss. Man darf nicht nachlassen und hat auch keine Zeit, um anderen Matches zuzuschauen. Zudem wissen wir, wie schnell sich ein Match ändern kann – plötzlich erwischen wir die falsche Seite und dann tauchen die Jungs wieder hinter uns auf, denn das sind alles gute Segler. Sicher, wir haben mehr Bootsspeed als die andern, aber die wissen auch, wie man Boote segelt. Das müssen wir respektieren.“

Wie schwierig ist es hier draussen, das Wetter und die Winde zu lesen?

„Man muss sich immer umschauen und sehr aufmerksam sein. Heute brachten die Wolken grosse Unterschiede bezüglich Windrichtung und Windstärke mit und das eröffnet den zurückliegenden Booten viele Möglichkeiten. Da gibt es nur eines: Kopf aus dem Boot strecken und aufpassen – vor allem die Jungs hinten im Boot haben an einem Tag wie

heute viel mehr zu tun, als an normalen Tagen.“

 

BMW ORACLE Racing rückt auf den zweiten Platz vor

Mit zwei Erfolgen am heutigen Tag schob sich BMW ORACLE Racing auf den zweiten Rang im Zwischenklassement des Malmö-Skåne Louis Vuitton Act 6 vor. Der Gegner im ersten Rennen des Tages war das junge China Team, danach wartete das spanische Team Desafio Espanol 2007 auf BMW ORACLE Racing.Beide Wettfahrten endeten mit deutlichem Vorsprung Fast zwei Minuten hatten Skipper Chris Dickson und die Crew der USA-76 ihren Gegnern jeweils abgenommen. Die Windverhältnisse auf dem Rennkurs waren heute moderater, allerdings stellten einige größere Dreher die Fähigkeiten der Afterguard auf die Probe. Es war nicht einfach, die richtigen taktischen Entscheidungen zu treffen. "Der Wind drehte wirklich stark", bestätigt Ian Burns, Navigator von BMW ORACLE Racing. "Für die Afterguard war es

kein leichter Tag. Zunächst hatten wir noch 17 Knoten Wind, der aber im Verlauf des Nachmittags bis auf 8 Knoten abflaute und dabei um bis zu 60 Grad drehte. Die Brise richtig zu erwischen, war eine Herausforderung."

"Je später es wurde, desto mehr Flautenlöcher traten auf. Wenn du in so ein Loch fährst, dann wird aus einem großen Vorsprung schnell ein beträchtlicher Rückstand. Unser Taktiker Gavin Brady lieferte hervorragende Arbeit ab, indem er immer die richtigen Anweisungen gab. Wir waren bei allen Drehern auf der richtigen Seite."

Im Match gegen die Spanier wählten die beiden Yachten zu Beginn der ersten Vorwindbahn verschiedene Seiten des Kurses und entfernten sich seitlich voneinander. "In diesen Situationen ist man immer etwas besorgt, dass man Pech haben könnte", meinte Burns. "Andererseits waren wir uns zu 98 Prozent sicher, das Richtige zu tun. Im Yachtsport ist das eine richtig gute Quote und es stellte sich heraus, dass wir Recht hatten und so unsere Führung ausbauen

konnten."

Dass sich drei Teams - BMW ORACLE Racing, Luna Rossa Challenge und Emirates Team New Zealand - punktgleich Rang zwei teilen, und alle Crews noch gegeneinander antreten müssen, verspricht für die nächsten Rennen der Regatta noch mehr Spannung.

 

Results Malmö-Skåne Louis Vuitton Act 6

Flight 7

BMW ORACLE Racing (USA 76) beat China Team (CHN 69), delta 1:51

Alinghi (SUI 75) beat United Internet Team Germany (GER 72), delta 1:45

Victory Challenge (SWE 73) beat Desafío Español 2007 (ESP 67), delta 1:21

Emirates Team New Zealand (NZL 82) beat K-Challenge (FRA 60), delta 1:12

Luna Rossa Challenge (ITA 74) beat +39 Challenge (ITA 59), delta 1:44

Mascalzone Latino-Capitalia Team (ITA77) beat Team Shosholoza (RSA83), delta 0:47

 

 

Flight 8

Alinghi (SUI 75) beat China Team (CHN 69), delta 3:11

BMW ORACLE Racing (USA 76) beat Desafío Español 2007 (ESP 67), delta 1:56

Victory Challenge (SWE 73) beat United Internet Team Germany (GER 72), delta 1:20

+39 Challenge (ITA 59) beat Emirates Team New Zealand (NZL 82), delta 1:06

Mascalzone Latino - Capitalia Team (ITA 77) beat K-Challenge (FRA 60), delta 1: 06

Luna Rossa Challenge (ITA 74) beat Team Shosholoza (RSA 83), delta 1:12

 

Malmö-Skåne Louis Vuitton Act 6 Points Leaderboard

(Team - Gewonnen - Verloren)

nach acht Rennen:

 

1 Alinghi (8-0)

2= BMW ORACLE Racing (7-1)

2= Emirates Team New Zealand (7-1)

2= Luna Rossa Challenge (7-1)

5= +39 Challenge (4-4)

5= Victory Challenge (4-4)

5= Mascalzone Latino Capitalia (4-4)

8 Desafio Espanol 2007 (3-5)

9 K-Challenge (2-6)

10= Team Shosholoza (1-7)

10= United Internet Germany (1-7)

12 China Team (0-8)

 

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