Artemis Transat 2008: Boris Herrmann sensationell Zweiter

30. Mai 2008 - (Boston) Er war der große Unbekannte und Außenseiter im Feld der elf 40-Fuß-Yachten, runde 12 Meter große Segelschiffe, die am 11. Mai in Plymouth (GB) aufgebrochen waren, um solo die zirka 4500 km lange Route über den Atlantik nach Boston (USA) zu segeln. "The Artemis Transat" ist die älteste Einhandregatta der Welt und wird seit 1960 alle vier Jahre ausgetragen. Der Kieler Boris Herrmann (27) erreichte gestern Nacht einen sensationellen 2. Rang nach 17 Tagen 12 h 09 m und 47 s, und ist damit der erfolgreichste deutsche Einhandsegler, der sich bisher in der internationalen Regattaszene behaupten konnte. In den USA wegen der Zeitverschiebnung "noch" an seinem 27. Geburtstag, überraschte ihn seine Freundin Meike in Boston, sie ist die erste Gratulantin, und auch Besuch aus Bremen, eine Delegation seines Sponsors, ist kurzfristig angereist, um einen neuen deutschen Segelhelden zu feiern.

Boris Herrmann auf dem Beluga Racer, einem 40-Fuß Schiff. (Foto © Catherine Sparkes )

Den Flauten und Stürmen getrotzt, taktisch intelligent gesegelt, und permanent die 12 Meter lange "Beluga-Racer" kontrolliert gesteuert - der Nachwuchssegler Boris Herrmann lieferte  ein großartiges Rennen.
Nach einem gelungenen Start fiel er zunächst auf den 10. Rang zurück "ich war mir nicht sicher in der ersten Nacht auf See den Gennaker (großes Vorsegel) zu setzten" sagte er am nächsten Tag. Doch dann schoß der Kieler, siebter der Weltmeisterschaft 2007 in Australien und Deutscher Meister in der 505er Jollenklasse in das Spitzenfeld vor. In Frankreich und auf der Insel staunte man nicht schlecht über den deutschen Aussenseiter und es sollte noch besser kommen.
Herrmann macht von da an alles richtig. Er segelte dort hin, wo es den richtigen Wind gab und wo der Golfstrom ihn nicht bremsen konnte, soweit man das überhaupt kann. Kurz nach der Passage des "Ice Gate" (vorgegebenen Eisberggrenze des Veranstalters, unweit von der gesunkenen "Titanic" entfernt) entschied sich der frischgebackene Diplom Ökonom auf ein Nordkurs, während sein unmittelbarer Konkurrent aus Frankreich, Thierry Bouchard, nach Süden abdrehte. Tagelang zuvor segelten  beide fast in Sichtweite nebeneinander her und wechselten sich auf den Rängen 2 und 3 immer wieder ab. Die Spannung stieg bis an den Siedepunkt. Doch mit dem Nordkurs behauptete  Boris Herrmann endgültig den hartverdienten Rang 2 und konnte sogar kurzfristig seinen Rückstand auf den führenden Italiener Giovanni Soldini bis auf 42 sm reduzieren.

Nebenbei verschickte Herrmann auch Videos von Bord via Satellit, schrieb ein Logbuch für seine Homepage und beantwortet geduldig Fragen per Satelittentelefon. Seine Fangemeinde wuchs stündlich und fand aufmunternte und herzliche Worte, um ihren Skipper draußen auf dem großen Ozean zu unterstützen.
Eindrucksvoll sein Video im Überlebensanzug bei Sturm im Cockpit, ohne verkrampften Gesichtsausdruck, eher zufrieden und in seinem Element lächelnd in die Kamera winkend. Er war oft genug müde und einsam, aber auch überglücklich über den Verlauf seines Rennes, denn 5 Konkurrenten mussten nach Kollisionen mit Walen oder erheblichen Materialschäden aufgeben "Ich bin innerlich ganz ruhig und erstaunt über die Gunst der Stunde. Meine Gedanke schweifen zurück an den Anfang des Projektes und seine Entstehung" Ja, Boris Herrmann kann mehr als zufrieden sein,  denn während die Konkurrenz vor allem aus Großbritanien und Frankreich seit Jahren mit ihren Schiffen trainierte, konnte er nur knappe vier Wochen vor dem Startschuss ein gebrauchtes Schiff kaufen. Ermöglicht hatte dies sein Hauptsponsor, die  Bremer Reederei Beluga Group. Doch es blieb wenig Zeit das 2007 gebaute Schiff kennenzulernen und für die Überfahrt auszurüsten. Gleichzeitig mußten  vielen Termine, auch die des Veranstalters, wahrgenommen werden. Freunde und Bekannte halfen, doch plötzlich fand sich Boris Herrmann  in das Rennen hinein katapultiert. Vielleicht ist  Soldinis Vorsprung  und Sieg diesem Zustand zuzuschreiben, er ist dieses Rennen schon fünmal gesegelt und konnte am Mittwoch zum zweiten Mal gewinnen. Doch Boris Herrmann steht erst am Anfang seiner Karriere und wird sich schon in wenigen Wochen erneut einer Herausforderung stellen und die Route von Quebec (Kanada) nach St. Malo (F) segeln, dann aber mit Crew, bevor er im Herbst mit Co-Skipper in fünf Etappen von Portimao (Portugal) um die Welt aufbricht

Konrad Kubisch - mediamaritim - rédaction France
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info: www.beluga-racer.com


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