Klaus Hympendahl: Logbuch der Angst
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Klaus Hympendahl in seiner Düsseldorfer Wohnung (Foto © Sergej Lepke) |
Drama von Enge und Engstirnigkeit
Sechs segeln los – nur vier kommen an: Im Logbuch der Angst beschreibt der Weltumsegler und Autor Klaus Hympendahl eine Urlaubsreise, die zum Mord führt. Der Autor kennt Täter und Opfer. Zu sechst sind sie damals losgesegelt zu ihrem Traumziel: Zwei Paare und zwei Männer aus Deutschland wollen über den Atlantik zu den karibischen Inseln. Doch nur vier kommen mit der Yacht "Apollonia" in Barbados an – einer von ihnen ringt auf dem Zehn-Meter-Boot seit Tagen mit einem Lungendurchschuss um sein Leben.
Noch heute, zwanzig Jahre später, hat dieser Mann Todesangst vor dem Mörder von damals, berichtet Klaus Hympendahl. Der Weltumsegler hat das Schiff und den Mörder schon damals kennengelernt. Und ein Buch über das Drama auf dem Atlantik geschrieben. Auch Nicht-Segler, die es am Abend beginnen, werden es erst am Morgen nach 271 Seiten zuklappen. Das "Logbuch der Angst" ging nach nur einem Monat in die zweite Auflage.
Der "Fall Apollonia", vor einem Bremer Gericht verhandelt, sorgte 1981 bis 1983 für Schlagzeilen in der ganzen Welt. Denn die Urlaubsreise der Deutschen endete nach 18 Tagen auf See mit Gewalt und Mord. Der legendäre Gerichtsreporter des Spiegel, Gerhard Mauz, widmete den Verhandlungen und dem Urteil allein drei Artikel – Auszüge sind im Anhang des Buches zitiert. "Ich bin damals mit meinem Boot nur einen Tag nach der Apollonia von Gran Canaria losgesegelt", erzählt der Autor. Wochen vorher hatte er noch mit dem Apollonia-Eigner und dessen Freundin gesprochen – "die beiden hatten sich in einem Düsseldorfer Café kennengelernt." Hympendahl verschaffte sogar dem späteren Mörder Jörg Röttich – alle Namen wurden vom Autor geändert - einen Job: Der reparierte und lackierte einige Teile auf Hympendahls Stahlschiff "African Queen". Der 62-jährige Autor, der fünf Jahre um die Welt segelte, hat in seinem dritten Buch beschrieben, wie "Enge und Engstirnigkeit" aufeinanderprallen. Wie Menschen, die nicht ausweichen können, sich in Hass und Gewalt hineinsteigern. Denn in der Weite des Atlantiks ist die Welt für die sechs an der Bordwand zu Ende – nach zwei Schritten.
Hympendahl kennt dies aus eigener Erfahrung. Um nicht auf seinen Mitsegler loszugehen, hat er vor drei Jahren in Spanien ein Schiff verlassen. Als Skipper, der immerhin 50.000 Seemeilen über die Ozeane segelte, hatte er den Job angenommen, eine Yacht von Deutschland ins Mittelmeer zu überführen. In der berüchtigten Biskaya wurde er von einem heftigen Sturm überrascht. Der Eigner benahm sich, wie alle, die Angst haben, "unmöglich". Der in ihm selbst hochkochenden Aggression begegnete Hympendahl, indem er in den nächsten Hafen segelte und ausstieg. Da entstand die Idee, das Buch zu schreiben.
Auf der "Apollonia" treffen zwei Gruppen aufeinander: Der unerfahrene Eigner und seine Freundin, die beiden Mitsegler, die kurz vor der Reise als zahlende Gäste dazukamen, und der erfahrene Segler Röttich und seine Freundin Andrea. Der ehemalige Beamte Röttich, der für seinen Traum vom Segeln die Aussicht auf die Pension hinschmiss, ist der einzige, der etwas von Navigation und Seemannschaft versteht. Und die anderen mit seiner Pingeligkeit, seiner Engstirnigkeit ärgert. Täter und Opfer treiben in die Katastrophe. Schon bald stehen zwei gegen vier – keine gute Ausgangslage für eine lange Segelreise. Hympendahl hat Röttich wiedergetroffen bei seinen Recherchen. Zu Lebenslänglich verurteilt, wurde er nach 17 Jahren und zwei Monaten im April 1999 entlassen.
Hympendahl hat nicht nur einen Krimi geschrieben: Mit Zitaten aus den Gerichts-Gutachten, den Plädoyers der Verteidiger und den Spiegel-Kommentaren von Mauz zeigt er, wie Täter und Opfer sich in die Enge trieben – in die Katastrophe.
Klaus Hympendahl: Logbuch der Angst, Bielefeld: Delius Klasing, 2. Auflage 2004, 271 Seiten, ISBN 3-7688-1526-9, 12,00 €.
Website des Verlags: www.delius-klasing.de


