„Big points“ für Kadelbach/Belcher
Bester Akteur war der Lübecker Simon Grotelüschen als Vierter in der Laser-Jolle vor Philipp Buhl aus Immenstadt (7.). Licht und Schatten gab es auch beim Oldenburger EWE Sailing Team, das in vier Disziplinen um die Fahrkarten nach London 2012 kämpft. Die erste Runde der nationalen Ausscheidung gewannen die Hamburger 470er-Crew Kathrin Kadelbach und Friederike Belcher sowie das 49er-Duo Tobias Schadewaldt/Hannes Baumann aus Kiel. Zweitbeste Deutsche hinter Alexander Schlonski und Matthias Bohn (Rostock) wurden die Berliner Robert Stanjek und Frithjof Kleen im Star, wo die Ex-Europameister Johannes Polgar und Markus Koy (beide Hamburg) genauso hinter ihren Erwartungen zurückblieben, wie die 470er-Männer Lucas Zellmer und Heiko Seelig (Berlin). Teil zwei der Qualifikation folgt bei der Kieler Woche (18. bis 22. Juni), der letzte und entscheidende bei den Weltmeisterschaften im Dezember in Perth/Australien.
„Unterm Strich wäre insgesamt sicher mehr drin gewesen, aber die 470er-Frauen haben zumindest für einen versöhnlichen Ausklang gesorgt“, bilanzierte Christiane de Nijs als Coach des EWE Sailing Teams die Regattawoche von England, die zudem als Weltcupserie zählte. Kadelbach/Belcher war als Zehnte der Einzug ins finale Medaillenrennen gelungen, in dem sie sich durch Rang vier noch auf dem Gesamtplatz neun verbesserten. Der bedeutet elf wichtige Punkte auf dem Olympiakonto, während ihre härtesten Konkurrentinnen, Tina Lutz und Susann Beuke aus Holzhausen und Strande als 15. nur sechs Zähler verbuchten.
Immerhin schafften beide Mannschaften schon im ersten Versuch das Nebenkriterium des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB), mindestens bei einer Ausscheidungsregatta unter die ersten 15 gekommen zu sein. „Von einer Vorentscheidung sind wir weit entfernt, denn auch Tina und Susann sind stark gesegelt“, meinte Kathrin Kadelbach, „aber es ist natürlich ein besseres Gefühl, zum Auftakt den Bug vorne gehabt zu haben.“ Die Steuerfrau übte trotz eines positiven Wettkampfs auch Selbstkritik: „Am Starkwindtag haben wir zu viele Punkte liegengelassen. Daran müssen wir noch arbeiten.“
Das 49er-Team Schadewaldt/Baumann haderte im Wesentlichen nur mit dem Schlusstag, der ihnen die Chance auf einen Einzug ins Medalrace verbaute. „Wir hatten eine gute Regatta und lagen lange auf Top-Ten-Kurs“, so der Steuermann, „aber am Ende ging uns ein wenig die Luft aus.“ Zwei Strafkringel direkt nach den Starts bedeuteten zwei rote Laternen und am Ende Platz 18. Dabei ließen sie Lennart Briesenick-Pudenz und Morten Massmann aus Flensburg gerade noch hinter sich. In der Olympia-Quali steht es somit 3:2 für das EWE Sailing Team.
Lange Gesichter gab es in der sonst starken deutschen Starboot-Flotte. In einer Berg-und-Talfahrt der Einzelergebnisse schaffte keine Crew auch nur annähernd die ersten Zehn. Der als Vorschoter vom EWE Sailing Team geförderte Frithjof Kleen war mit seinem neuen Steuermann Robert Stanjek zu Saisonbeginn gut durchgestartet und hatte eine erstaunliche Frühform gezeigte In der Endabrechnung ergatterten sie als 19. immerhin zwei Punkte in der Olympiaausscheidung. Deren vier holten die vermeintlichen Außenseiter um die Fahrkarten nach England, Alexander Schlonski und Matthias Bohn (17.), die nun bei der Kieler Woche zwangsläufig zu den Gejagten gehören.
„Das ist ja zum Glück noch nicht die Welt und durchaus wettzumachen“, meinte der Hamburger Johannes Polgar, der mit Markus Koy nur auf den 26. Rang segelte und leer ausging. „Wir hatten am Wind erhebliche Geschwindigkeitsprobleme und nach der Startkreuz selten mehr als eine Hand voll Boote hinter uns“, so der Ex-Europameister. Das Problem sei jedoch erkannt und hoffentlich in der Kürze der verbleibenden Zeit bis zum nächsten Zielwettkampf (Kieler Woche) auszumerzen, der bereits an diesem Sonnabend beginnt.
Einen rabenschwarzen Wettkampf erwischten die 470er-Männer Lucas Zellmer und Heiko Seelig. Platz 33 war schlicht meilenweit von den eigenen Erwartungen entfernt. „Bei den Berlinern lief einfach überhaupt nichts zusammen“, bilanzierte auch Christiane de Nijs, „die müssen jetzt zunächst zwei, drei Tage zuhause die Köpfe frei kriegen und dann neu angreifen.“ Schließlich punkteten mit Jasper Wagner und Tobias Bolduan (ebenfalls Berlin) zwei Gegner als 14. gleich sechsfach.

