„Meer als ein Traum“ – ein ehrliches Buch über eine siebenjährige Weltumsegelung, sogar mit kleinen Kindern

05. Mai 2008 - Es gibt viele Bücher über Weltumseglungen. Dies ist ganz anders. Medizinerin Nathalie Müller (35) und Grafiker Michael Wnuk (44), beide aus Düsseldorf, wo ja schon mehrer Weltumsegler leben und lebten, - sie haben sich den Traum erfüllt, den so viele nur träumen. Aber so, wie sie von ihrer Reise erzählen, gerade mal ein Jahr mit den unterwegs geborenen zwei Töchtern zurück in Düsseldorf, so ist auch ihr Buch: Ehrlich, ohne Verklärung, sie erzählen unprätentiös, ohne wie viele Segel-Gurus den Lesern und Seglern irgendwelches abgehobenes Wissen ein zu Schenken, obwohl sie zigtausende Meilen hinter sich haben. Die beiden weit gesegelten, sympathischen Eltern lassen auch die Angst und die Schwierigkeiten nicht aus.

Nathalie Müller, Maja, Michael Wnuk: Weltumsegler bei der Pause, ganz allein auf einer Insel. (Fotos © mit freundlicher Genehmigung von Müller/ Wnuk)

In der karibischen See vor Kolumbien legten drei Freak-Waves, so genannte „Three Sisters“, das 9 Tonnen Boot flach auf die Seite. Da habe er schon Angst gehabt, meint Michael Wnuk.  „Es war nachts, man hörte die Wellen nur, das klingt wie ein anrollender Jet. Dann kam das Wasser überall rüber, das Boot lag auf der Seite, kam wieder hoch, dann kamen die nächsten Wellen. Im Innern flog alles raus, überall war Wasser, ich stand quasi auf der Seite vom Boot“, erzählt Wnuk. Und Skipperin Müller ergänzt trocken: „Vorher hatten wir noch einen Ausfall der Ruderanlage, wir sind dann mit dem Windpilot gesegelt.“ Aber, sagt Wnuk, und Müller nickt: „Das ist wie immer beim Segeln: Wenn man weiß, dass das Boot es kann, dann hat man bei der Nächsten Welle keine Angst mehr.“


Sorgenvolle Blicke von Skipperin Müller aufs Wetter. (Fotos © mit freundlicher Genehmigung von Müller/ Wnuk)

Sie wollten nicht die ausgetretenen Pfade segeln, entlang der Routen, über die alle ziehen. Sie sind nach Trinidad, Venezuela, die San Blas Inseln gesegelt in der Karibik, “wir wollten nicht dorthin, wo sich 200 Yachten vom ARC tummeln, wo es nur darum geht, welches Boot schneller ist, und jeden Abend Party“ stellt Skipperin Müller klar. „2001 saß ich plötzlich auf den Kanaren, dann sind wir zu den Kapverden. Es war brüllend heiß dort, aber wir hatten drei Monate ganz tolle Erlebnisse. Da war es noch nicht von den Seglern verseucht, die Leute haben uns ganz anders empfangen.  Und dann haben wir eben versucht, abseits zu segeln. In der Südsee eben nicht die Marquesas, sondern südlicher, in Indonesien eben nicht Bali, sondern Timor, Papua Neuguinea, und nicht immer mit allen zusammen.“


Im Hafen von Ofu, Samoa, offensichtlich zufrieden. (Fotos © mit freundlicher Genehmigung von Müller/ Wnuk)

In Neuseeland etwa, in Whangarei, da haben sie nicht die teuren Marinas aufgesucht. „Dort leben zu 60 Prozent Rentner, mit guter Rente, die pendeln zwischen Tonga und Neuseeland. Leben im Winter in der Südsee und im Sommer in Neuseeland. Dort gibt es eine regelrechte Enklave von Deutschen“, erzählen beide. Und Wnuk fügt hinzu: „Das ist so ein bisschen wie auf dem Campingplatz.“


Sie haben die Begegnung mit den Menschen gesucht, dem Land, den Kulturen. Jetzt, zurück am Rhein, „ist man offener geworden, wenn man so viele Menschen erlebt hat. Man sucht Kontakt und freut sich, wenn man südländisch aussehende Menschen sieht“, sagt Skipperin Müller.


Und das Segeln mit Kindern?


Segeln mit Kindern? Die Kleine freuts … (Fotos © mit freundlicher Genehmigung von Müller/ Wnuk)

Das sei einfacher, meinen beide. Maja wurde vor drei Jahren in Malaysia geboren, Lena vor einem Jahr in Südafrika. Die Kinder brauchen keine Windel, kaum Kleidung, bei einem Malheur reicht eine Pütz Wasser. „Beim Segeln ist es schon anstrengend, auch wegen der Verantwortung“, meint Vater Wnuk. „Aber 80 Prozent der Zeit verbringen wir ja vor Anker oder in Häfen.“  Mutter und Skipperin Müller erzählt: „Wenn man vor Anker fünf französische Boote sieht, dann sind mindestens zwei dabei mit Kindern.“ Die Franzosen, fügt sie hinzu, segeln zudem auch mit wenig Geld. Aber, sagt Wnuk, als wir von Madagaskar nach Südafrika gesegelt sind, durch den Agulhas-Strom mit seinem harten Seegang, da war dann das Ende erreicht. Ich machte mir Sorgen, die Verantwortung drückte. Nathalie war ja im siebten Monat. Und mit dieser Verantwortung für Frau und Kind habe ich dann irgendwie die Lust verloren. Mit Lena später, da kam die Entscheidung, zurück nach Deutschland. Wenn die Kinder größer sind, werden wir sicherlich noch mal segeln.“


Wie finanziert man denn 7 Jahre Weltumsegelung?

„Wir sind ja mit low budget gesegelt“, bilanziert Wnuk. „In der Karibik war unsere Bordkasse eigentlich schon am Ende.“  Skipperin und Mutter Müller rechnet vor: „In Panama haben wir uns, vor der Überquerung des Pazifik  (gut 5000 Meilen, die Red.) für 1500 Dollar verpflegt. Das hat lange gehalten.

Das Teuerste waren die Reparaturen am Boot, gut 5000 Euro pro Jahr, sagt Müller. Denn in den Tropen machen Salzwasser, 90 Prozent Luftfeuchtigkeit und die Sonne Plastik, Lacke und Metall kaputt. Zudem war das Boot alt, und im Innern musste immer wieder Rost bekämpft werden. "Wir haben so etwa von 500 Dollar im Monat gelebt. Auf manchen Inseln sogar von 50 Dollar pro Monat – weils einfach nichts zu kaufen gab. Aber wir sind ja auch nicht in die teuren Marinas gegangen, oder die Supermärkte. Wenn man sich auf das einstellt, was die locals essen, sich auf das Land einlässt, und auf der Straße oder den Märkten kauft, bleibt es billig“, bilanziert Müller. „Die französischen Segler geben auch wenig aus.“

Wnuk und Müller haben zudem Artikel für Fachmagazine geschrieben, mit Fotos, und Wnuk hat Pactor-Modems für E-Mailverbindungen auf dem Boot verkauft und installiert.


Michael Wnuk, Maja, Lena und Nathalie Müller zu Hause in Düsseldorf. (Fotos © Jo Achim Geschke, http:www.segelfotos-und-meer.de )

Und jetzt, zurück an Land, wie geht’s den Weltumseglern hier?

Es geht, lächelt Müller leise. Zumal jetzt Frühling ist und sie zumindest am Rhein aufs Wasser blicken kann. Aber Wnuk: „Nathalie hat ja ihre Fachausbildung unterbrochen. Sie hat für das Segeln viele Kompromisse gemacht. Jetzt ist sie dran.“ Die Medizinerin will jetzt in einer Klinik in Düsseldorf ihren Facharzt nachholen. „Ich kümmere mich jetzt um die Kinder, und arbeite als freier Grafiker“, macht Wnuk die Rollenverteilung klar.  Außerdem halten die beiden Lichtbildvorträge in Vereinen oder Schulen, auf Anfrage.

(Text: Jo Achim Geschke / www.seglermagazin.de )

  • Nathalie Müller/ Michael Wnuk, „Meer als ein Traum”, 300 Seiten, 60 Fotos, Delius-Klasing Verlag, 19,90 Euro.

Die Iron Lady

Die „Iron Lady“

 

  • Baujahr 1985
  • LüA : 12,78 m
  • B.: 3,55 m
  • Segelfläche 88 m²
  • Motor 40 PS
  • Diesel 400 Liter
  • Wasser 500 Liter


www.ironlady.de