Segeln in Tonga05. Oktober 2004 - Beim Anflug auf Los Angeles saß mir die Lufthansa Stewardess gegenüber und fragte mich höflich, wo ich denn hinfliegen würde. „Nach Tonga.“ „Ja, wo in den USA liegt das denn“, wollte sie wissen. „Noch neun Flugstunden weiter“, musste ich die Vielgereiste aufklären.Also, keine Berührungsängste mit Tonga. Das liegt in der Südsee, Markenzeichen: dicker König.

Blaues Meer und wiegende Palmen an Traumbuchten - Die Va'vau Inseln von Tonga (Foto © www.vacations.tvb.gov.to - Website des Königreichs Tonga)

Richtig, jetzt werden sich viele an Tonga erinnern. Es ist ein Königreich, tausend Seemeilen im NW von Neuseeland, der einzige Südseestaat, der niemals kolonialisiert war. Und noch etwas einzigartiges. Die Tonga Männer tragen Röcke und darüber gewickelte Bastmatten, je feiner die Matte gewebt ist, desto höher das Ansehen, je älter desto besser.

 

Seit Captain Cook vor über 200 Jahren dort erschien, heißen die Inseln ‚The friendly islands’. Spätestens jetzt sollte der Segler aufhorchen. Und wenn ich dann noch hinzufügen darf, dass das Segelrevier der Va’vau Inseln (sprich Wauwau) aus den schönsten Südseeinselchen besteht, mit all dem was wir uns so gerne erträumen: mit Palmen, weißen Stränden, Riffen, Lagunen, Atollen, tintenblauen bis grell türkisfarbenem Wasser. Über all dem streichelt der Passatwind, fast immer aus der gleichen östlichen Richtung. Und unter all dem liegt ein Taucherrevier, das selbst verwöhnte Taucher zum Staunen bringt. Also, Segeln, schwimmen, schnorcheln, tauchen, urlauben, abspannen zwischen den Va’vau Inseln ist spitze.

 

Inseln wie Stadtviertel

 

Kommen wir zum Segeln. In dem Hauptörtchen Naiafu der Va’vau Inseln, im Norden Tongas, haben sich nicht umsonst die beiden Weltführer im Chartergeschäft angesiedelt: Moorings und Sunsail. Ihre ‚location scouts’, immer auf der Suche nach dem außergewöhnlichsten Revier, haben die Va’vau Inseln schon vor 20 Jahren entdeckt. Die Inseln und Inselchen liegen wie kleine Stadtteile einer Großstadt manchmal sehr nahe beieinander, manchmal durch Landzungen verbunden. Die Segelentfernungen zwischen den Inseln sind kurz. Man segelt nicht von einer zur nächsten, sondern zur östlichsten oder südlichsten, die man nach 2 bis 4 Stunden erreicht hat.

 

Durch das Außenriff im Osten, wo die Wellen bis aus Chile herandonnern, ist das Segelrevier sehr gut geschützt. Meist segelt es sich wie auf einem Binnensee, einer riesigen Lagune, mit all den kleinen und kleinsten Inseln darin, manche bewohnt, die meisten unbewohnt. Und damit man sich nicht verirrt, haben die Charterfirmen die Ankerplätze durchnummeriert. „Ich bin auf Ankerplatz 14. Kann uns jemand einen Kasten Bier mitbringen?“ In der Hauptsaison Juni bis Oktober dürfte dieser Satz schon gefallen sein.

 

Von November bis März ist Hurrikanzeit, wie wahr der Begriff ist, zeigt der letzte Hurrikan Vaka, der genau in der Neujahrsnacht 2002 über den Inseln ‚exlodierte’. Wir waren im Mai da und nur vier andere Charteryachten waren unterwegs. Unter anderem die ‚Glorreichen Sieben’, so nannten wir die sieben Wolfsburger Segler. Schon auf der nächtlichen Zwischenlandung in Samoa fielen sie mir durch einheitliche T-Shirts auf. Die Wolfsburger hatten vor zwei Jahren untereinander einen Vertrag für diese Fernreise geschlossen und monatlich in eine Kasse gezahlt. Zu siebt hatten sie einen 38 Fuß Katamaran vom Typ Athena gechartert. Immer wieder trafen wir sie, die Kaliforniern oder die Japanern bei den verschiedenen Ressorts Hotels. Hier haben ein Handvoll Ausländer auf winzigen Inseln den Traum ihres Lebens mit Nebeneinkunft wahr gemacht und sich ein Restaurant, oft mit Gästebungalows gebaut. Man reserviert per UKW-Radio den abendlichen Tisch im voraus. Jeden Morgen um 09.00 Uhr gibt es eine Funkrunde unter den Charterfirmen, Restaurants und Yachten.

 

Gefährliche Riffpassagen

 

So kann man in zehn Minuten von Ankerplatz 6 zu 7 segeln, man kann aber auch am Außenriff nach Süden segeln, durch Riffpassagen, um Korallenbänke herum, bei gut fünf Windstärken zu einsamen Inseln des Archipels zu gelangen. Und wer wirklich viel segeln will, der sucht sich einen Tagestörn aus. Mehr ist nicht drin, nachts muss geankert werden.

 

Das Revier hat für den ungeübten Lagunen- und Riffsegler seine Tücken. Aber wer beim Einführungskurs gut aufpasst, wer die zusätzlichen Regeln befolgt: z. B. durch Riffpassagen nur mit der Sonne im Rücken segeln oder die Wassertiefen der Lagune zusätzlich zum Echolot an den Wasserfarben schnell einzuschätzen lernt, der hat in diesem Revier kaum Schwierigkeiten.

 

Jeder von uns hat die Chance genutzt, die Reise ans andere Ende der Welt mit dem Besuch anderer Länder zu verbinden. Einer war vorher auf den Cook Inseln, zwei in Australien, einer auf Bali und ich danach noch in Neuseeland. Auch die ‚Glorreichen Sieben’ unternahmen auf ihrem Rückweg noch einen Abstecher per Camper nach Kalifornien. Nach Naiafu, dem Hauptort der Va’vau Inseln, kommt man mit der Royals Tongan Airlines von der Hauptstadt Nuku’alofa aus, die von Air New Zealand angeflogen wird. Der knapp 50 minütige Flug bietet bei gutem Wetter einen sensationellen Überblick auf das inselreiche Königreich. Beim Flug über die Inseln und Lagunen erhält der Fenstersitzer ein Postkartenmotiv nach dem anderen. Merke: Beim Hinflug rechts sitzen, beim Rückflug links.

 

Ja lohnt denn der ganze Aufwand, werden Sie fragen? Ich sage Ihnen: Nur, wenn Sie einen Traum von der Südsee haben.

 


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