Törnbericht: Von Funchal nach Mallorca

26. April 2004 - Von Santa Cruz de Tenerife durch die Strasse von Gibraltar nach Palma de Mallorca. Segeln an einer Kulturgrenze und Training für die „grosse Atlantik-Überquerung“. Das ist der Törn, von dem der Schweizer Jan Pfister berichtet. Pfister ist Skipper bei "www.skipperjan.ch", aus Ziefen in der Schweiz, die verschiedene Segelreisen anbieten. Eine spannende Reise mit viel und mit wenig Wind - und der schwierigen Strasse von Gibraltar....

Wasser bunkern im Päckchen in Funchal (Foto © Jan Pfister )

Nun war es soweit. Wir gingen endlich an Bord „unserer“ Oceanis 473 „Alboran XV Cacique“. Ein schönes Schiff, sehr gut ausgerüstet mit EPIRB, Kurz- und Grenzwelle, VHF, DSC, Plotter usw. Sogar ein Schleppgenerator gehörte zur Ausrüstung. Gut so, wir hatten uns ja auch eine hübsche Strecke vorgenommen. Von Teneriffa via Gibraltar, Crewwechsel am 28. März, nach Mallorca. Am 4. April sollten wir das Schiff spätestens in Palma abgeben. So musste es klappen und das Wetter sollte gemäss Bericht und Pilot-Charts eigentlich mitspielen.

Für die nächsten Tage war N bis NE-Wind angekündigt. 10 bis 25 kn. Wir wählten die Route über Madeira, um von dort mit einem hübschen Halbwindkurs nach Spanien zu segeln.

Leinen los – Kurs N nach Madeira

Mit Wind aus N bis NE und Stärke 4-5 wagten wir den Absprung in Richtung Madeira. Gemäss Zeitplan sollten wir spätestens in drei Tagen in Funchal

einlaufen, um den weiteren Verlauf des Törns flexibel halten zu können.

Einmal aus der Düse der Inseln raus wurde schnell klar, dass die Mehrheit der Crew nicht einfach so mit der (über Nacht) aufgewühlten Atlantikdünung klar

kommen würde. Priorität hatte nach der Schiffsführung also das Refit der Crew, um vor allem die Nachtwachen nicht zu sehr zu schwächen. Dies gelang dank Chemie und durch die Einstellung der einzelnen Personen gut und rechtzeitig, so dass wir gegen Abend zu ca. 70% einsatzfähig waren.

 

Funchal

Die Hafenmauer von Funchal (Foto © Jan Pfister )

 

Um 08:15 UTC fest in Funchal, dem Hauptort auf Madeira, lagen wir in dem völlig überfüllten Hafen im Päckchen. Bereits beim Einlaufen erfuhren wir, dass

just an diesem 20. März die Regierung Bush den Irak angegriffen hatte. Natürlich schlug das auf unsere Stimmung und ich glaube wir waren alle ein bisschen

froh, dass man uns verboten hatte Marokko anzulaufen.

Wir versuchten uns so gut wie möglich auf die rund 600 M Überfahrt nach Gibraltar vorzubereiten. Es galt Diesel und Wasser zu bunkern, Früchte und Gemüse zu besorgen und diese spannende wunderschöne Insel zu geniessen. Das

Auffallendste waren die Pflanzen in ihrer Pracht so früh im Jahr und die Menschen, die sehr gemütlich unterwegs waren. Irgendwie ansteckend.

Die Wetterkarten sagten ein Tief über Nordafrika mit NNE- Wind Stärke 6 an. Na dann, weiter geht’s...

Unterwegs auf dem Atlantik

Die nächsten zwei Tage jagten wir mit Halbwindkurs über die meterhohe Atlantikdünung, welche durch den Wind bis Stärke 6/ 7 weiter aufgepeitscht wurde. Wir waren schnell und das Material wurde beansprucht. Am Morgen des zweiten Tages brach die Genua-Refleine, der Druck auf die Rolle war einfach zu gross, und das Vorsegel rauschte aus. Erst später, bei Tageslicht, konnten wir beidrehen und den Schaden beheben. Alles klar, wir nahmen wieder Kurs

NE auf. Der Luftdruck stieg. Endlich würden wir doch noch etwas Farbe im Gesicht bekommen. Doch auch der Wind verabschiedete sich und wir rollten die Segel ein. Die Bewegungen durch den Atlantik wurden ruhiger.

Fast jeden Tag hatten wir Besuch von Delphinen. Das sorgte immer für Abwechslung und tat der Seele gut. Eines Nachts, ich war alleine draussen, entdeckte ich silberne Streifen unter Wasser. Erst nach einer Weile wurde mir klar, dass das Delphine sein mussten, die dieses Leucht-Plankton aufwirbelten. Als dann einer dieser Tiere aus dem Wasser sprang und im Mondlicht silbrig glänzte, da blieb mir wirklich fast das Herz stehen.

Die sperrige Meerenge

Die Strasse von Gibraltar will verdient sein Am fünften Tag auf See, bereits die Strasse von Gibraltar im Visier, hatte uns der Wind wieder. Aus E, für unseren Plan denkbar schlecht. Trotzdem setzten wir Segel und bekamen die Quittung des Reffleinen-Bruches postwendend. Der Kopfschäkel der Genua war durch den Bruch wohl etwas fest in Mitleidenschaft gezogen worden und unsere schöne, grosse Genau kam von oben. Der Wind frischte auf 7 Beaufort auf und kam weiterhin aus dem Osten. Wir waren auch nicht mehr alleine. Bereits jetzt machte sich das hohe Verkehrsaufkommen einer der wichtigsten Meerengen der Welt stark bemerkbar. Wir hatten also keine Genua, starken Wind aus der

falschen Richtung und kreuzten nur mit dem Gross um riesige Frachtschiffe. Dann kam die Nacht. Gibraltar konnten wir unter diesen Umständen vergessen. Nicht nur das der Wind „verkehrt blies“, in dieser Strasse ist auch das Timing mit den Gezeiten von grösster Wichtigkeit, vom Schiffsverkehr ganz zu schweigen. Plan B war angesagt und Cadiz wurde angelaufen.

 

Madeira

Die Felsenküste von Madeira – vor dem Kurs zur Straße von Gibraltar (Foto © Jan Pfister )

 

Wir legten am 27. März um 01.00 Uhr UTC ab. Es regnete und der Wind war

sehr böig. Wir mussten so früh los, weil wir mit dem günstigen E-Strom am Morgen durch die Strasse von Gibraltar wollten. Je näher wir uns der Strasse aber

näherten, desto mehr drehte der Wind auf E und frischte auf. Es wurde bald klar, dass wir auch an diesem Tag unser Ziel nicht erreichen würden.

Das Mittelmeer ist nur auf der Karte klein -Wind aus dem Westen, bis 7 Beaufort, schob uns weg von dieser „Schiffsautobahn“. Zwar regnete es immer noch, doch der Speed, den wir drauf hatten, kompensierte viel. Die Wellen waren merklich kürzer und die Delphine kleiner.

Natürlich drehte der Wind in der Nacht und wir hatten ihn am nächsten morgen von da, wo wir hin wollten. Dafür war der Luftdruck gestiegen, die Sonne schien und die Batterien wurden auch wieder einmal geladen. Wir vertrieben uns die Zeit mit lesen, Mittagsposition mit dem Sextant berechnen, den Delphinen zu schauen und plaudern. Wir wussten, dass das nächste Tief unterwegs war und am dritten Tag auf See erhielt ich eine Sturmwarnung für die Balearen für den nächsten Tag auf dem Navtex: Wind NW, Stärke 8. Eigentlich wollten wir vor dem Zielhafen noch einen Abstecher nach Cabrera, SE von Palma de Mallorca, machen. Das schnell sinkende Barometer und die Aussicht auf Sturm von vorn, und das für ca. 30 M (direkt), liess uns unsere Pläne ändern. Bereits an diesem Abend, am 2. April, liefen wir in Palma ein und stillten unseren Hunger auf Fleisch in einem argentinischen Grillrestaurant. Am liebsten wären wir weiter gesegelt...

Die website des Autors Jan Pfister:

www.skipperjan.ch

 

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