Tornado WM : Roland Gäbler und Gunnar Struckmann auf Rang vier

03. März 2008 - TAKAPUNA. Sie wollten noch einmal angreifen und alles auf eine Karte setzen, um am Finaltag der Tornado-Weltmeisterschaft eine Medaille abzuräumen. Sogar der Titel schien noch in Reichweite. Doch dann machte ihnen am Sonnabend (1. März) das Wetter im neuseeländischen Takapuna einen Strich durch die Rechnung. Eine steife Brise mit Sturmböen hinderte Roland Gäbler und Gunnar Struckmann (Tinglev/Kiel) vom T-Systems Team 2008 daran, den ausgezeichneten und doch undankbaren vierten Gesamtplatz zu verbessern. Es wurde kein Rennen mehr gesegelt. Die Australier Darren Bundock und Glen Ashby feierten WM-Gold vor Oskar Johansson/Kevin Stittle (Kanada) und Yann Guichard/Alexandre Guyander aus Frankreich.

Roland Gäbler und Gunnar Struckmann (Tinglev/Kiel) vom T-Systems Team (Foto © T-Systems / N. Krauss)

Das zweite T-Systems Team 2008, Johannes Polgar/Florian Spalteholtz aus Dänisch-Nienhof und Eckernförde, blieb 21.; die Ueberlinger Brüder Tino und Niko Mittelmeier wurden 27.
 

Die endgültige Entscheidung der Regattaleitung fiel bereits um 12.45 Uhr Ortszeit, als der Nordnordwestwind auf Stärke sieben zugenommen hatte und einzelne Böen mit neun Beaufort über den Hauraki Golf bei Auckland fegten. „Mittags hatten wir erst noch etwas Hoffnung, dass doch gestartet werden würde“, meinte das T-Systems Team 2008 unisono, „denn wir wollten alle unbedingt nochmal aufs Wasser.“ Allerdings mussten auch die deutschen Spitzensegler eingestehen, dass die Bedingungen trotz vergleichsweise moderaten Wellengangs zu heftig gewesen waren. Auch weil außerdem die Sichtweite im Regen nur 200 Meter betrug, stellten die Veranstalter der Takapuna Worlds 2008 die Sicherheit der Crews obenan und brachen die WM vorzeitig ab.

„Einerseits sind wir natürlich stolz auf unsere Gesamtleistung“, meinte Roland Gäbler, „andererseits aber auch enttäuscht, dass es nicht mehr zum Happy End kam.“ Nachdem der fünfmalige Olympiateilnehmer vom Norddeutschen Regatta Verein (NRV) Hamburg neben Olympia-Bronze 2000 in Sydney schon dreimal die WM-Krone inne hatte, wollte er sich für seine diesmal verpasste Olympiaqualifikation mit einem erneuten Weltmeisterschaftstitel entschädigen. „Der eine Leichtwindtag hat uns wichtige Punkte gekostet“, bilanzierte Vorschoter Gunnar Struckmann, „aber wir waren noch an der Spitze dran und hatten unsere Chance geradezu gespürt.“

Gemischt fiel die WM-Analyse der NRV-Clubkameraden Johannes Polgar und Florian Spalteholtz aus. Die Favoriten auf die Olympiafahrkarten nach Qingdao/China im August hatten einen Fehlstart in die Weltmeisterschaft hingelegt und sich im weiteren Verlauf nur leicht verbessert. „Aber der vorletzte Tag hatte uns nochmal richtig Mut gemacht“, so Polgar, „denn da waren wir schnell und haben endlich auch gut gesegelt.“ Auch er trauerte dem ausgefallenen Finaltag hinterher, wo es in der Endabrechnung nochmal deutlich nach oben gehen sollte. „Mit dem 21. Rang haben wir uns weit unter Wert geschlagen. Das Resultat ist jedoch im Hinblick auf die Olympische Spiele ohne besonders große Aussagekraft“, erklärte der 30-Jährige weiter, „denn wir erwarten in China vor allem Leichtwind. In Neuseeland gab es fast nur frischen bis starken Wind.“

Ein kleiner Trost für die Olympiaaspiranten des T-Systems Team 2008 war das Abschneiden ihrer nationalen Gegner um die Tickets. Als 27. wurden die Mittelmeier-Brüder von den vorherrschenden Bedingungen noch ärger getroffen. Gegen sie geht es im April im südfranzösischen Hyères in einer Ausscheidungsregatta ums Ganze. Zuvor werden Polgar/Spalteholtz jedoch Mitte März noch bei der Princess Sofia Trophy in Palma de Mallorca (Spanien) ein neues Boot testen. Spalteholtz: „Unser Top-Material war sowieso zuhause geblieben, das konnten wir bei der WM nicht ins Spiel bringen.“

Auch ein wenig Wehmut herrschte unter den 52 Teilnehmern aus zwölf Nationen. Denn nach dem derzeitigen Stand der Dinge war es vorerst die letzte Weltmeisterschaft als olympische Klasse. In einer sehr umstrittenen Entscheidung hatte der Weltsegelverband ISAF im November den Katamaran aus dem olympischen Segelprogramm für Weymouth 2012 gekippt. Doch dem Votum will sich die Tornado-Klasse nicht tatenlos hingeben. In Neuseeland wurde nochmals bekräftigt, in den kommenden Wochen alle Hebel in Bewegung zu setzen, um die Gremien der ISAF von der Notwendigkeit einer erneuten Abstimmung zu überzeugen, welche Bootsklassen am besten olympisch sein oder bleiben sollten.


Abschluss der Tornado-Weltmeisterschaft in Takapuna/Neuseeland
Endstand nach acht Wettfahrten:

1. Darren Bundock/Glen Ashby (Australien) 34 Punkte
2. Oskar Johansson/Kevin Stittle (Kanada) 39
3. Yann Guichard/Alexandre Guyander (Frankreich) 39
4. Roland Gäbler/Gunnar Struckmann (Tinglev/Kiel) 44
5. Francesco Marcolini & Edoardi Bianchi (Italien) 46
6. Mitch Booth/Pim Nieuwenhuis (Niederlande) 52

21. Johannes Polgar/Florian Spalteholtz (Dänisch-Nienhof/Eckernförde) 127
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27. Tino und Niko Mittelmeier (Ueberlingen) 165


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