Vor 50 Jahren: Erster Seenotkreuzer der DGzRS feierlich getauft

12. Februar 2007 - Mit der THEODOR HEUSS wurde am 12. Februar 1957 der erste Seenotkreuzer der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) getauft. Mit dieser schiffbaulich und rettungstechnischen Neuentwicklung wurde vor 50 Jahren ein Konzept entworfen, das einen innovativen Wendepunkt in der Flotte des deutschen Seenotrettungswerkes markierte. An der feierlichen Taufzeremonie auf dem Gelände der Schweers-Werft im niedersächsischen Bardenfleth an der Unterweser nahm der damalige Bundespräsident und Schirmherr der DGzRS sowie Bremens Bürgermeister Wilhelm Kaisen teil. Taufpatin war Hanne Heuss, die Schwiegertochter des Staatsoberhauptes.

Als erster Seenotkreuzer der DGzRS war die THEODOR HEUSS technisch und konzeptionell wegweisend für den maritimen Rettungsdienst an der deutschen Küste.

Bereits unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges konkretisierte man im Haus der DGzRS Planungen für ein schnelles, uneingeschränkt schwerwettertaugliches und universell einsetzbares Fahrzeug für den maritimen Such- und Rettungsdienst. Mit der THEODOR HEUSS konnte nach rund zehnjähriger intensiver Entwicklungsarbeit ein völlig neuer Schiffstyp in Dienst gestellt werden, der nautisch und rettungstechnisch auch international bewährt und anerkannt ist. Umfassende praktische Erkenntnisse wurden zuvor mit den Versuchs-Seenotkreuzern BREMEN und HERMANN APELT gesammelt.

Zur Taufe des neuen Seenotkreuzers war Bundespräsident Theodor Heuss am 12. Februar 2007 mit dem Frühzug von Bonn nach Bremen gereist, wo er am Hauptbahnhof von Bürgermeister Wilhelm Kaisen und DGzRS-Vorsitzer Hermann Helms sen. empfangen wurde. An Bord der HERMANN APELT ging die Fahrt anschließend vom Hafen der Hansestadt zur Schweers-Werft (heute: Lürssen Bardenfleth) weseraufwärts. Menschenmassen säumten das Flussufer, die Schulkinder hatten unterrichtsfrei bekommen.



In der festlich geschmückten Schiffbauhalle der Werft formulierte Hanne Heuss, die Schwiegertochter des DGzRS-Schirmherrn und Bundespräsidenten, den Taufspruch:

                        Fahre, Schiff,
                        Du tapf'rer Retter
                        Durch der Stürme böses Wetter,
                        zu dem Bruder, der in Not
                        bis Dein Helfen sich ihm bot -
                        daß als großes Vorbild bliebe:
                        Tapferkeit und Menschenliebe

Mit dem Zerschellen der obligatorischen Sektflasche am Schiffsrumpf taufte sie den neuen modernen Seenotkreuzer auf den Namen THEODOR HEUSS. Das Tochterboot erhielt den Namen TEDJE.


In Anwesenheit ihres Schirmherren, Bundespräsident Theodor Heuss, stellte die DGzRS am 12. Februar 1957 im Rahmen einer traditionellen Taufzeremonie in Dienst.

Technisch stellte die THEODOR HEUSS einen Meilenstein ihrer Zeit dar und ihr elegantes Erscheinungsbild erregte Aufsehen in der Öffentlichkeit und in den Medien. Ihre drei Motoren mit einer Gesamtleistung von 1750 PS ermöglichten eine Höchstgeschwindigkeit von 20 Knoten. Die Navigations- und Kommunikationsanlagen entsprachen dem höchsten Standard der damaligen Zeit. Das in der Heckwanne mitgeführte Tochterboot TEDJE, speziell konstruiert für Einsätze in den ausgedehnten Flachwasserbereichen in der Nord- und Ostsee, bewährte sich auf Anhieb hervorragend. Gebaut als Zweischalenschiff, sorgte das filigrane Netzspantengerüst des Rumpfes für enorme Festigkeit und Formstabilität. Wie alle späteren Seenotkreuzer der DGzRS war auch die THEODOR HEUSS als Selbstaufrichter konstruiert

Noch im Jahr der Indienststellung wurde der Seenotkreuzer auch auf internationaler Ebene präsentiert: Anlässlich des 50. Geburtstages der schwedischen Rettungsgesellschaft SSRS sowie einer Zusammenkunft der Rettungsdienste der Ostsee-Anliegerstaaten im polnischen Gdingen (Gdyna, ehem. Gotenhafen) fand die THEODOR HEUSS besonders im Kreis der Fachleute höchstes Lob und Anerkennung.

Stationiert war die THEODOR HEUSS nach ihrer Taufe 1957 zunächst auf der ostfriesischen Insel Borkum und anschließend  von 1963 bis zur Außerdienststellung in Laboe an der Kieler Förde. Unter den Vormännern Wilhelm Eilers, Johann Eberhardt und Hans Eberhardt bewährte sich der Seenotkreuzer in zahlreichen Einsatzfahrten, bei denen Tausende von Menschen aus Seenot gerettet wurden.

Nach 28 aktiven Jahren im Rettungsdienst wurde die THEODOR HEUSS 1985 an einen privaten Eigner verkauft. Dieser ließ den ehemaligen Seenotkreuzer zu einer geräumigen Motoryacht umbauen und gab ihr den Namen „Frido Spatz“. Ihr Liegeplatz ist heute in Bremerhaven.

Insgesamt 29 Seenotkreuzer mit Tochterbooten hat die DGzRS seit 1957 in Dienst gestellt. Der Bau einer neu entwickelten Klasse von 20-Meter-Seenotkreuzern wird im Sommer 2007 beginnen. Alle basieren, neuesten Erkenntnissen entsprechend, auf dem schiffbaulichen und rettungstechnischen Konzept der THEODOR HEUSS. Diesem Grundprinzip folgen auch einige nahezu baugleiche Spezialschiffe, die als Lizenzbauten oder ehemalige DGzRS-Einheiten im Ausland - Finnland, Italien, Marokko, Uruguay, Island und den USA - eingesetzt sind bzw. waren.

 

www.dgzrs.de