Funkzeugnisse UBI und SRC

01. November 2005 - Sie wollen mit einer Yacht bei unsichtigem Wetter aufs Ijsselmeer, und die Yacht hat ein Funkgerät an Bord? Dann haben Sie als Skipper hoffentlich ein gültiges Sprechfunkzeugnis! Denn ohne dürfen sie nicht Skipper sein, und rausfahren dürfen sie auch nicht - Yachten mit Radar müssen Funk an Bord haben, wenn sie bei Nebel fahren wollen. Schiffsführer von Yachten müssen ein Funksprechzeugnis haben - es genügt seit August 2005 nicht mehr, wenn nur ein Crewmitglied ein Funkzeugnis hat. Das kann bei Kontrollen saftige Bußgelder bedeuten! Seglermagazin.de stellt alle Funkzeugnisse vor, nennt die gesetzlichen Bestimmungen und gibt Tipps für die Prüfung für das UBI (UKW-Sprechfunkzeugnis für den Binnenfunk) und das SRC (Short Range Certificate - Seefunk-Zeugnis).

Funkgerät von Icom, wird auch in Prüfungen verwendet. (Foto © Jo Achim Geschke/ www.segelfotos-und-meer.de)

Braucht man ein Funkgerät an Bord oder als Charterskipper ein Funkzeugnis? Wir meinen: Ja. Denn es ist an Bord ein Mittel der Sicherheit auf See. Nicht nur der Notruf (Mayday, französisch määdee ausgesprochen!) ist dabei entscheidend: Unter Securité (französisch gesprochen secüritee) werden Sie gewarnt, wenn ein Container in der Gegend rumschwimmt als gefährlicghes Hindernis, eine Tonne vertrieben oder deren Feuer ausgefallen ist. Unter der Dringlichkeitsmeldung ( Pan Pan,  - gesprochen wie geschrieben) können Sie eine Küstenfunkstelle informieren, wenn ein Crewmitglied schwer verletzt ist, oder bei Krankheiten oder Verletzungen auch dringend  benötigte ärtzliche Beratung erhalten. Nicht zuletzt gibts es auf dem "Sozialkanal" der Sportboote so manchen nützlichen Tipp.

 

Handy an Bord ? Ist ja gut, wenn Sie mit ihren Lieben telefonieren wollen. Aber wer will denn weitab von jedem Mobilfunkmast irgendeinen Notruf senden? Also: Mobiltelefone taugen nicht als Ersatz für Seefunk, und auch im Binnenfunk steht nicht überall eine Antenne. 

Wenn Sie als Skipper eine Charteryacht führen wollen, müssen Sie sowieso das dazu nötige Zeugnis haben - auf dem Ijsselmeer und den Friesischen Meeren also das UBI, auf der Wattenzee das SRC. Wer ohne rumfährt und Funk an Bord hat, riskiert in den Niederlanden Ordnungsgelder um 1000 Euro!

 

Welche Funksprechzeugnisse sind nun nötig und wo gültig?

 

Binnenfunk:

 

 

Wer eine neue Binnenfunkanlage auf dem Boot fährt mit Atis-Kennung, braucht im Bereich der europäischen (genau: überall in Europa) das Sprechfunkzeugnis für den Binnenfunk, kurz UBI genannt (UKW-Sprechfunkzeugnis für den Binnenfunk). Damit dürfen Sie Anlagen bedienen, die mit einem Watt Sendeleistung ausgestattet sind und eine Atis-Kennung haben also eine automatisch ausgesandte Identifizierungs-Nummer dieser Funkstelle. Die Geräte können auch 25 Watt, wenn Sie etwa eine Revierzentrale (Duisburg etwa) anrufen. Ansonsten spielt sich der Binnenfunk auf einem Watt ab - reicht ja auch meist. 

 

Seefunk:

 

 

Entlang der meisten nördlichen europäischen Küsten, in der Ostsee (fast überall) und entlang der Küsten im Mittelmeer wird mit Seefunkanlagen von einer Seefunkstelle gefunkt.  Zur Reichweite kommen wir später, etwa bei den Antennen. Dieser Seefunk von Schiff zu Schiff und zu Küstenfunkstellen in den so genannten A 1 Gebieten kann mit dem SRC Short Range Certificate abgewickelt werden.

 

 

Alte Funksprechzeugnisse:

Wer immer noch ein älteres Funksprechzeugnis hat, erkundigt sich am besten bei der B Netz A oder beim BSH, ob es umgeschrieben werden kann.

 

 

Was ist das besondere am neuen Seefunk?

 

Das Digitale, klar. Wir leben in der digitalen Revolution, noch immer. Oder härter ausgedrückt: Demnächst besteht überhaupt keine Hörbereitschaft mehr auf Kanal 16, dem Anruf und Notkanal.  Wenn Sie also auf K 16 einen Notruf absetzen würden - hört den vielleicht niemand mehr. Denn der Notruf und Sicherheitsverkehr ist auf (digitales) GMDSS - System umgestellt. Das heißt Global Maritime Distress and Safety System und bedeutet, das einfach und mit wenigen oder sogar nur einem Knopfdruck ein Mayday-Ruf ausgestrahlt werden kann, dem sogar die Kennung der Seefunkstelle (dem Schiff) und möglicherweise gleich die Position (abhängig vom Gerät) beigefügt ist sowie die Art des Notfalls. Mit Hilfe des Digital Selectiv Calls über das Gerät und den DSC - Controller.

 

Ganz wichtig deshalb:

 

Alle Crewmitglieder sollten vor Antritt der Fahrt wissen, wie beim DSC-Kontroller der Notruf über die (meist) rote Taste ausgelöst werden kann. Falls Sie als Skipper mal über Bord gehen.

Und alle sollten auch wissen, wie der MOB (Man over Bord) Knopf beim GPS gedrückt wird, wenn einer über die Reling geht!

Und alle sollten wissen, das ein unberechtigt ausgelöster Notruf sehr sehr teuer werden kann! Und nur der Skipper einen Mayday-Ruf anordnen kann.

 

Seit August 2005 dürfen Crewmitglieder, die kein Funkzeugnis haben, unter Aufsicht des Skippers (mit Funkschein, siehe oben) das Funkgerät bedienen.  

 

Beim DSC (Digital selectiv call) sendet das Gerät automatisch ihre Kennung / ihr Rufzeichen digital an eine andere Seefunkstelle - die angerufenen wissen also immer genau, wer da funkt. Daher kann eine Küstenfunkstelle auch sofort nachschauen, wer da unter der neunstelligen MMSI - Nummer rumfunkt.   Mit Hilfe der MMSI (= Maritime mobile Service Identity ) Sie ist fest im Gerät einprogrammiert (- wenn sie das als Käufer selbst machen: Vorsicht vor Späßen, die Nummer geht nicht mehr raus, nur im Werk beim Hersteller). Die Nummer ist nicht identisch mit dem Rufzeichen, hat aber Bestandteile von ihr.

 

Kurse und Prüfungen

 

Die Bundesnetzagentur (B NetzA) - früher Reg TP - wacht über allen Funk und alle Frequenzvergaben, aber Prüfungen für das UBI und das SRC nimmt der DSV und der DMYV ab. Die Prüfungen verlangen beim SRC auch englische Texte zu übersetzen und aufzunehmen - da sollte man also ein wenig Englisch können. Wer das UBI machen will, sollte nur dann dabei bleiben, wenn er garantiert NIE im Bereich der Seeschifffahrtsstraßen fährt. Denn UBI ud SRC kombiniert zu büffeln ist einfacher und billiger. Kurse - wir empfehlen ausdrücklich nicht, sich selbst vorzubereiten! - kosten zwischen 160 und etwa 220 Euro nach unseren Recherchen, geht auch teurer. Dazu kommt beim kombinierten UBI / SRC die Prüfungsgebühr von rund 170 Euro und mehr. Macht also immerhin mehr als 330 Euro. Lohnt sich aber.

 

Das LRC Long Range Certificate

 

Wir erwähnen es hier nur - wer es macht, hat meist Größeres vor, etwa Atlantik und Karibik, oder Weltumsegelungen. Es gilt für Grenzwellenfunk und Inmarsat-Kommunikation und wird großenteils in Englisch geprüft, zudem sind die technischen und rechtlichen sowie funktechnischen Fragen umfangreicher.

 

Die Geräte

 

Es gibt unterschiedliche Angebote, darunter auch kombinierte Anlagen, die sowohl Binnenfunk mit Atis und Seefunk mit DSC beherrschen. Die Kosten liegen bei rund 400 bis ...... Euro.

Ein Gerät ist immer an ein Schiff und einen Besitzer (mit Funkzeugnis) gebunden. Wenn Sie also ein gebrauchtes Schiff kaufen, und in dem Gebrauchtboot ist eine Funkanlage - dann muss dessen Eigner die abmelden. Und Sie das Gerät für sich anmelden! Denn zu jedem Gerät gehört eine Frequenzzuteilungsurkunde von der BNetzA. Und die muss immer auf dem Schiff im Original mitgeführt werden, ebenso wie das Funkzeugnis. Nur die Kopie gehört in ein Schließfach oder so.

 

Um die Frequentzuteilungsurkunde zu bekommen, stellen Sie einen Antrag an die BNetzA. Dafür muss das Gerät zugelassen sein - billige Apparate "nur für den Export" haben da keine Chance. Denn die BNetzA will die Registrierungsnummer des Geräts wissen. Nur zugelassene Geräte, etwa mit dem Steuerrad als aufgedrucktem Zeichen, werden anerkannt und haben eine Chance. 

 

Dann erhalten sie für sich, ihr Schiff und das Gerät eine MMSI oder eine Atis Nummer sowie eine Kennung. Die fängt in Deutschland mit D (Delta) an, hat einen weiteren Buchstaben und eine vierstellige Nummer. Wenn das Schiff im Seeschifffahrtsregister eingetragen ist - bei über 15 Metern Länge also sowieso - bekommt es eine vierstellige Buchstabenkennnung, die auch mit D = Delta beginnt.

 

Mit der MMSI sind Sie beim Funken jederzeit identifizierbar - auch ohne im Sprechfunk ihre Kennung oder ihren Schiffsnamen zu nennen.

 

Handgeräte

 

sind leider im Binnenfunk nicht erlaubt. Im Seefunk können Sie als Zweitgerät für große Yachten etwa für das Beiboot beantragt werden. Wenn Sie schlüssig nachweisen, dass Sie mit ihrer kleinen Jolle ohne Platz für einen Einbau regelmäßig auf der Ostsee Törns nach Dänemark machen und gemacht haben, bekommen sie vielleicht dafür ein Handgerät mit Kennung etc.. Vielleicht.

 

Geräte 2

 

Wenn Sie ein Gerät kaufen, überlegen Sie wo sie es in der Yacht oder am Steuerstand unterbringen. Also ob es ein Einbaugerät mit Bedienungsapparaten und Hörer oder ein Gerät ist, bei dem alle Tasten im Hörer liegen und die Elektronik in einer Box hinter dem Holz liegt. Falls ein Hörergerät ihren Zuschlag bekommt: Das Display ist doch gut abzulesen und die Tasten gut zu bedienen?

 

Die Bedienung der unterschiedlichen Geräte differiert etwas, aber im Grunde werden immer die gleichen Schritte fällig, um einen Routine-Ruf, eine Dringlichkeit oder ein Mayday einzuleiten.

 

Sendearten sind Duplex, Semiduplex und Simplex. Richtig Duplex kann nur die Küstenfunkstelle - aber semiduplex muss ihr Gerät schon können. Für Binnen ist das Umschalten von 1 Watt auf 25 Watt nützlich, und Kombigeräte sind dazu auch in der Lage. Ein reines Binnengerät kann nicht am Seefunk teilnehmen, ein reines Seefunkgerät nicht am Binnenfunk (mangels 1 Watt Möglichkeit und fehlendem ATIS).

  

Die Antennen

 

UKW - Funkwellen breiten sich quasi optisch aus, heißt: Etwa so weit, wie sie von der Mitte ihrer Antenne aus gucken können. Wenn die Antenne auf einer Segelyacht im Masttop steht, hat sie eine größere Reichweite als bei einem Motorboot auf vier Metern Höhe. 

Je länger desto besser? Gilt nicht ganz. Die Antenne muss auf die Wellenlänge abgestimmt sein, deshalb ist nicht jede Länge gleich wirksam. Vom Werk oder Techniker eingestellte Längen sind deshalb empfehlenswert. Sprechen Sie mit ihrem Händler deswegen.

Auch wegen der Verbindungskabel: Bei mehr als zehn Metern Länge sollten die Koaxialkabel dicker sein, damit keine Sende-Energie auf dem Weg zur Mastantenne verloren geht.

 

Worum gehts nun beim UBI und SRC?

 

Davon in der zweite Folge UBI und SRC